Einklarieren & Ausklarieren in der Karibik

Dieses Thema verdient mal einen eigenen BLOG. Ist nämlich sehr unterschiedlich, wie ich das erlebt habe.

Erleben tut sowas auch nur der Skipper. Denn solange nicht einklariert ist, bleibt die Q-Flagge gehisst und niemand anderer außer dem Skipper darf an Land.  Interessiert in Frankreich, also in Martinique und Guadeloupe, keinen Menschen. Abgesehen davon klariert man sich dort ohnehin eigenhändig am Computer selbst ein. In Dominica hat es auch nicht so recht interessiert. Obwohl es da einen eigenen Zoll-Anlegesteg fürs Dinghy gibt. Mit hohen Zäunen und Mauern hermetisch vom restlichen Fährterminal abgeriegelt, damit man den Q-Bereich klar vom Rest der Welt trennt. Ist aber dennoch kein Problem, hin- und her zu wechseln. Denn das dicke Vorhängeschloss vor dem 4m hohen und stacheldrahtbewehrtem Tor ist Makulatur. Bereitwillig zeigt einem jeder Mitarbeiter am Fährterminal, wie man das Vorhängeschloss aushebelt damit man ungehindert hin- und herlaufen kann. St Lucia war ebenfalls easy. In Antigua drohen hingegen satte Strafen und Geldbussen, wenn Crew das Schiff verlässt ohne dass einklariert ist. Angeblich führte schon Schwimmen am Ankerplatz unter Q-Flaggenstatus zu 5.000 USD Busse. Überhaupt war der Behördenakt in Antigua die bisher mit großem Abstand lästigste, längste – und lächerlichste – Prozedur.

Aber der Reihe nach. Oder der Insel nach.

Alle Inseln

Man muss immer und zwingend die Ausklarierungspapiere des letzten Hafens vorlegen. Fast immer wird zumindest überprüft, ob Anzahl & Namen der dort ausklarierten Personen mit denen auf dem Einklarierungsformular übereinstimmt. Kamen wir von einer französischen Insel habe ich fast immer nur eine Kopie abgegeben und das Original behalten. Hat niemanden gestört.

Barbados

Dazu habe ich einen eigenen BLOG Beitrag geschrieben. Interessant: Barbados war bisher die einzige Insel, bei der das Einklarieren umsonst war (Frankreich im Grunde auch, aber siehe dort) – dafür aber das Ausklarieren kostete. Und mit 50 USD pro Schiff auch nicht zu knapp. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange man auf Barbados war und wie viele Personen an Bord sind.

In den Pass gibt es einen Einreisestempel, nicht aber einen bei der Ausreise

St. Lucia

Souffriere Bay war freundlich, einfach und im Grunde unkompliziert. Die mitgebrachte & abgestempelte CrewListe wird zwar gerne genommen – erleichtert aber nicht viel. Denn es muss immer noch für jedes Crewmitglied ein Immigration-Formular ausgefüllt werden. Ist ziemlich viel Schreibarbeit, es sei denn man schafft es den/die Mitarbeiter/in für sich zu gewinnen. Dann kann man sich die Arbeit teilen. Klappte in der Rodney Bay nicht, da ist auch viel zu viel Yachtie-Verkehr und die Mitarbeiter eher genervt. Aber auch da kann Höflichkeit, gepaart mit einem kleinen freundlichen Joke, Dinge bewegen! Das gilt für alle Inseln (selbst fürs arrogante Antigua, wenn auch mit Abstrichen): Zeige Respekt, sei höflich aber niemals unterwürfig sondern selbstbewusst. Dann ziehst Du an manchem anderen Segler vorbei. Der sich verwundert die Augen reibt weil Du schon abgefertigt wirst, während er wegen eines kleinen Schreibfehlers das Formular neu ausfüllen muss. Unser Ausklarieren in der Marigot Bay hatte etwas gedauert weil die (adrette) Lady von der Immigration mit 90 Minuten Verspätung antanzte.

Kosten: 40 EC$ fürs Einklarieren. Eine extra Gebühr kommt hinzu, wenn man außerhalb der Kernarbeitszeiten einklariert.

In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

Martinique & Guadeloupe

Das ist Frankreich, das ist EU. Eine Passkontrolle habe ich nie erlebt. Ein- und Ausklariert wird am Computer, alle Daten gibt man selbst ein. Am Anfang etwas mühsam weil man z.B. „Allemagne“ nicht unter „A“ findet sondern irgendwo ganz hinten im Scroll Down Menü, ich glaub hinter Swaziland. Tipp: Nicht scrollen sondern einfach „Allemagne“ eintippen. „BIKINI“ als unseren Heimathafen kannte das Programm auch nicht, aber nachdem ich gefunden hatte wo die „Marshall Iles“ im Menü waren, wars leicht das „Majuro Atoll“ zu finden.

Es handelt sich um PCs mit einer speziellen Anbindung an die Zollbehörde – vom eigenen Rechner aus geht also nicht. In vielen Orten gibt es solche PCs, aktuelle Törnführer sollten sie aufgelistet haben. Ich schreib hier nur von den Orten, an denen ich selbst ein/ausklariert hatte. Die Kosten schwanken, je nachdem was derjenige verlangt, der den PC-Service anbietet. Selbiges gilt auch für die Öffnungszeiten: Grundsätzlich kann am PC rund um die Uhr ein-/ausklariert werden. Aber kein Laden hat rund um die Uhr auf.

In Le Marin (Martinique) z. B. sind 3 solcher PCs im Büro der Marina. Die Marina verlangt pro Deklaration 5 €uro. In Saint Pierre (Martinique) steht der Rechner in einem Restaurant. Kosten: Nach eigenem Ermessen etwas in die Sparbüchse werfen. In Fort de France (Martinique) steht der PC bei einem Ship-Chandler (einem Laden für Schiffszubehör). Ich habe dort noch ein paar Artikel gekauft und musste für die Klarierung nichts bezahlen. In Terre de Haut (Iles de Saintes) steht das Teil beim örtlichen Anbieter der Mooring-Bojen. Kosten: 2 €uro. Usw. Usw.

Ich habe beim Einklarieren immer einen Ausreisezeitpunkt genannt, der deutlich weiter in der Zukunft lag als geplant. Und von diesem Papier im nächsten Hafen eine Kopie abgegeben. Oder bin zum Ausklarieren aus Martinique/Guadeloupe einfach nochmal hin und habe mir ein neues Papier mit dem dann tatsächlichen Datum geholt. So habe ich immer ein (französisches) Ausklarierungspapier in Reserve, sollte ich bei einem der nächsten Häfen aus irgendwelchen Gründen ein Ausklarierungspapier benötigen (z.B. weil ich das vom vorigen Hafen verloren hatte).

Dominica

Ich habe in Roseau ein- und gleichzeitig ausklariert. Das geht, wenn man sich nicht länger als 14 Tage in Dominica aufhält und kein Crew-Wechsel erfolgt. Das Procedere lässt sich erheblich beschleunigen – und man muss viel weniger Formulare ausfüllen – wenn man eine eigene Crewliste mit den notwendigen Daten mitbringt. In mind. 3 facher Ausfertigung. Dann schreibt man einfach immer nur „see attached“ aufs amtliche Formular, Datum & Unterschrift – fertig.

Kosten: Ich weiß gar nicht mehr, wie hoch die Standard-Gebühr war. Ich glaube 15 EC$, war jedenfalls sehr preiswert. Die Gebühr für „overtime“ aber – weil ich beim 1. Mal in Dominica an einem Samstag einklarierte – waren satte 110 EC$.

Stempel in den Pass gibt’s keine. Ausser man wünscht dies ausdrücklich als Souvenir. Dann kann man zu einem eigenen Schalter.

Antigua

Buah. Puuh!! Hier gilt: Tief durchatmen. Viel Geduld mitbringen. Und: Nagelneue, idealerweise druckfrische, US-Dollarnoten.

Unbedingt zu empfehlen: Vorher schon mal elektronisch auf der Website die Einreise anmelden und alle Crewdaten (inkl. Passnummern usw.) eingeben. Das hatte ich gemacht und mir so einiges an Zeit erspart. Dann geht’s zum Hafenamt, Zoll & Immigration:

Diese 3 Ämter müssen durchlaufen werden. Aber nicht eins nach dem anderen. Sondern hin und her. Vom Zoll gibt’s ein Papier. Damit geht’s zur Immigration (ein Schalter weiter im selben Gebäude). Da sitzen dann 2, 3 oder 4 Mitarbeiter, beschäftigt mit irgendwelchen furchtbar wichtigen Dingen. Wie WhatsApp schreiben auf dem Handy, mit der Mutter telefonieren, das Stempelkissen von Flusen reinigen, etc. etc.. Auf keinen Fall unterbrechen – das führt nur zu Sanktionen! Hat man mit ausreichender, geduldiger Warterei signalisiert, dass man die Hackordnung anerkennt (Ich Segler bin das arme Würstchen das etwas von Dir, honoriger Vertreter des Staates, möchte), geht’s dann schon mal etwas vorwärts. Wieder zurück zum Zoll, dann wieder zur Immigration, zurück zum Zoll, mit einem neuen Papier zur Immigration usw. An jedem Schalter wies ich darauf hin, dass ich gleich für morgen wieder ausklarieren möchte. Das verkürzt aber nichts – denn beide Dinge gleichzeitig am selben Schalter zu erledigen geht auf Antigua zumindest im English Harbour gar nicht. Zum Ausklarieren ist zwingend NACH der Einklarierung der ganze Prozess erneut zu durchlaufen – nur in teils umgekehrter Reihenfolge.

Kurz vor Ende des Einklarierungsprozesses steht das Hafenamt. Auch dort hatte die Dame sichtlich keine Lust zu arbeiten und hängt gelangweilt im Nebenzimmer rum. Dass ich am Schalter stehe und warte, kann sie eigentlich gar nicht übersehen haben. Ich kontaktiere hilfesuchend die Dame vom Zoll, die inzwischen so etwas wie Verständnis für mein Anliegen entwickelt hat. Oder sich über meine Bewunderung Ihrer schönen Fingernägel gefreut hat. Oder mich auch einfach nur endlich los werden will. Jedenfalls ruft sie die Dame im Hafenamt auf Ihrem Handy an und erklärt ihr, dass der Herr der da vor Ihrem Schalter wartet, die Gebühren bezahlen möchte. Da kommt dann so einiges zusammen: Bearbeitungsgebühr für die elektronische Voranmeldung per Internet, Eintrittsgebühr in den Nationalpark, Cruisinggebühr, eine Gebühr pro Person, usw. Keine Ahnung, ich weiß alles gar nicht mehr. All in waren es so um die 80 USD. Zahlbar in USD.

Keine auch nur leicht schmutzigen oder beschädigten USD Noten verwenden!

Ich lege einen 100 USD Schein hin. Den hält sie an einem Ende kurz hoch, gibt ihn zurück und meint: Der ist schmutzig. Ich verstehe nicht, denn der Schein sieht wirklich noch sehr sauber und gut aus. Aber an einer Ecke ist tatsächlich sowas wie ein kleiner Fleck. Könnte ein alter Fettfleck sein, vielleicht doppelte Stecknadelkopfgrösse. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und reiche ihr 2 x20er und 1 x 50er. Den 50er will sie auch nicht. Denn er hat – tatsächlich – in der Mitte vom Rand her einen etwa 2mm langen Einriss. Ja was nun? Segeln führt offenbar bei mir zu Tiefenentspannung , denn ich rege mich nicht auf. Sondern biete ihr verständnisvoll an, ob nicht doch eine Kreditkartenzahlung möglich wäre. Ja doch, das ginge wohl dann doch aber nur in EC$ und nicht in USD. Kein Problem, meine ich. Sie: Aber dann muss ich alles umrechnen. Ich zeige Verständnis und äußere mein Bedauern und zeige ihr nochmals meine USD Scheine: Mehr habe ich nicht. Also gut, sie nimmt unter Einsatz von viel Energie den Taschenrechner in die Hand. Usw. Stunden später sind wir endlich einklariert. Und irgendwann, so grade vor Dienstschluss, auch für den nächsten Morgen wieder ausklariert.

Antigua ist schön! Wir kommen wohl in der nächsten Saison wieder. Auch wenn das Ein- und Ausklarieren eine unheimliche Gedulds- und Nervenprobe ist.

In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

2 Antworten auf „Einklarieren & Ausklarieren in der Karibik“

  1. Ja wirklich. Ein- und Ausklsrieren ist ein Abenteuer.
    Was noch wichtig ist: in Badezeug oder ohne vernünftigem shirt und Hose sollte man erst gar nicht antanzen! Man erwartet meist auch durch angemessene Kleidung den Respekt.

  2. Hallo Dorothee, hallo Stefan,

    tausend Dank für die sehr hilfreichen Informationen und vor allem die sehr unterhaltsame Darstellung des Ein- und Ausklarierens. Wir waren bisher mit dem Wohnmobil unterwegs und haben an den Grenzen auch unsere Erfahrungen sammeln können, mithin viel Geduld zeigen müssen :). Wir (Alex & Nicole) bereiten uns gerade auf die Karibik vor. Bei der Suche nach Erfahrungsberichten über anfallende Kosten bin ich auf Eure Seite gestoßen. Da wir selber auch einen Blog betreiben (auf dem ich gerne über sogen. „Grenzerfahrungen“ auf dem Landweg geschrieben habe), weiß ich, wie viel Arbeit dahintersteckt und möchte Euch herzlich für die Mühe danken.

    Wir werden Euch weiter verfolgen und wer weiß, vielleicht „segelt man sich ja über den Weg“.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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