Einklarieren & Ausklarieren in der Karibik

ACHTUNG:
Alle Einträge beziehen sich auf die Situation VOR den teils drastischen Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. Derzeit (Stand Ende März 2020) ist fast nirgendwo mehr das Einklarieren erlaubt – wobei fast stündlich neue Regelungen in Kraft treten. Bitte bei Bedarf aktuellere Infoseiten wie TransOcean oder die jeweiligen Cruiserforen auf Facebook usw. kontaktieren!

Dieses Thema verdient mal einen eigenen BLOG. Ist nämlich sehr unterschiedlich, wie ich das erlebt habe.

Barbados, Martinique, Guadeloupe, Dominica, St Lucia, 
St Vincent & t G, Grenada, Trinida & Tobago
Update 9.12.2019:
Antigua, Montserrat, Nevis
Update 30.12.2019:
St Kitts, St Barth, Sint Marteen
Update 4.2.2020:
Barbuda, St. Eustatius
Update 14.3.2020:
Anguilla, British Virgin Islands, US Virgin Islands

 

 

Erleben tut sowas auch nur der Skipper. Denn solange nicht einklariert ist, bleibt die Q-Flagge gehisst und niemand anderer außer dem Skipper darf an Land. Interessiert in Frankreich, also in Martinique und Guadeloupe, keinen Menschen. Abgesehen davon klariert man sich dort ohnehin eigenhändig am Computer selbst ein. In Dominica hat es auch nicht so recht interessiert. Obwohl es in Rousseau einen eigenen Zoll-Anlegesteg fürs Dinghy gibt. Mit hohen Zäunen und Mauern hermetisch vom restlichen Fährterminal abgeriegelt, damit man den Q-Bereich klar vom Rest der Welt trennt. Ist aber dennoch kein Problem, hin- und her zu wechseln. Denn das dicke Vorhängeschloss vor dem 4m hohen und stacheldrahtbewehrtem Tor ist Makulatur. Bereitwillig zeigt einem jeder Mitarbeiter am Fährterminal, wie man das Vorhängeschloss aushebelt damit man ungehindert hin- und herlaufen kann. St Lucia war ebenfalls easy. In Antigua drohen hingegen satte Strafen und Geldbussen, wenn Crew das Schiff verlässt ohne dass einklariert ist. Angeblich führte schon Schwimmen am Ankerplatz unter Q-Flaggenstatus zu 5.000 USD Busse. Der Beitrag zu Antigua ist mit Abstand am längsten – denn die Erlebnisse könnten unterschiedlicher nicht sein. St. Vincent & the Grenadines war wie Grenada recht einfach. Sehr lustig ist die overtime-Regelung in Trinidad & Tobago. Montserrat ging sehr zügig, Nevis war viel unkomplizierter als befürchtet. In Barbuda läuft es sehr persönlich, auf St. Eustatius wiehert der Amtschimmel. In den BVIs lief es meist gut, bis ich einen echten Giftzwerg erwischte.

Aber der Reihe nach. Oder der Insel nach. Ich ergänze diese Seite Schritt für Schritt um die Inseln, die wir selbst besucht haben. Daher ist die Reihenfolge nicht alphabetisch und nicht immer geographisch sauber geordnet, bitte um Nachsicht.

Grundsätzliches

Höflichkeit, gepaart mit einem kleinen freundlichen Joke, kann Dinge bewegen! Das gilt für alle Inseln (selbst für den arroganten English Harbour in Antigua): Zeige Respekt, sei höflich. Aber niemals unterwürfig – sondern selbstbewusst. Zeige, dass Du weisst: Du wünscht als (selbstbewusster) Gast dieses Land zu betreten und Du betrachtest den/die vor Dir sitzenden Mitarbeiter als deren offizielle Vertreter (Was sie ja auch sind). Dann ziehst Du an manchem anderen Segler vorbei. Der sich verwundert die Augen reibt. Mehrfach habe ich es erlebt, dass Mitarbeiter selbst die Formulare für mich ausfüllten: „I will do this for you, I am faster.“ Und der kaum Englisch sprechende aber etwas arrogant auftretende Seglerkollege neben mir musste wegen eines Schreibfehlers alles nochmal neu ausfüllen……

Sailclear ist eine nette Idee – in der Praxis habe ich aber keine wirklichen Vorteile gesehen. Entweder war der Ein- oder Ausklarierungshafen gar nicht im System (z.B. Nevis). Oder man kennt dort das Verfahren nicht bzw. wendet es nicht an. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nach meinen ersten Frustversuchen es aufgegeben habe, dieses System überhaupt zu benutzen. Was aber hilfreich ist, gerade bei grösserer Crew: Eine (in mehrfacher Ausführung) mitgebrachte, selbst erstellte Crew-Liste.

Alle Inseln

Bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. innerhalb der US und britischen Virgin Islands oder den französischen Inseln muss man die Ausklarierungspapiere des letzten Hafens vorlegen. Oft aber nicht immer wird überprüft, ob Anzahl & Namen der dort ausklarierten Personen mit denen auf dem Einklarierungsformular übereinstimmt. Kamen wir von einer französischen Insel habe ich fast immer nur eine Kopie abgegeben und das Original behalten. Hat niemanden gestört.

Viele Inseln haben eine Regelung für overtime. D.h. wenn ausserhalb fest gelegter Zeiten oder am Wochende ein- / ausklariert wird, fällt eine Zusatzgebühr (vom teilweise dem 10fachen der normalen Gebühr) an. Anders in Trinidad & Tobago: Hier entscheidet der Zeitpunkt, an dem man an- oder ablegt (bzw. Anker auf geht oder den Anker fallen lässt).

Barbados

Dazu habe ich einen eigenen BLOG Beitrag geschrieben. Interessant: Barbados war bisher die einzige Insel, bei der das Einklarieren umsonst war (Frankreich im Grunde auch, aber siehe dort) – dafür aber das Ausklarieren kostete. Und mit 50 USD pro Schiff auch nicht zu knapp. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange man auf Barbados war und wie viele Personen an Bord sind.

In den Pass gibt es einen Einreisestempel, nicht aber einen bei der Ausreise

St. Lucia

Souffriere Bay war freundlich, einfach und im Grunde unkompliziert. Die mitgebrachte & abgestempelte CrewListe wird zwar gerne genommen – erleichtert aber nicht viel. Denn es muss immer noch für jedes Crewmitglied ein Immigration-Formular ausgefüllt werden. Ist ziemlich viel Schreibarbeit, es sei denn man schafft es den/die Mitarbeiter/in für sich zu gewinnen. Dann kann man sich die Arbeit teilen. Klappte in der Rodney Bay nicht, da ist auch viel zu viel Yachtie-Verkehr und die Mitarbeiter eher genervt. Unser Ausklarieren in der Marigot Bay hatte etwas gedauert weil die (adrette) Lady von der Immigration mit 90 Minuten Verspätung antanzte.

Kosten: 40 EC$ fürs Einklarieren. Eine extra Gebühr kommt hinzu, wenn man außerhalb der Kernarbeitszeiten einklariert.

Ein fader Beigeschmack blieb beim Ausklarieren in der Souffriere Bay, wegen der verlangten Gebühr die eigentlich nicht fällig ist: Während beim Zoll alles zackig und regelkonform ablief, bestand der Mitarbeiter bei der Passkontrolle auf einer Gebühr von 40 EC$. Umgerechnet etwa 13 €uro. Diese Gebühr war zuvor immer nur beim EINklarieren fällig, und es gab eine ordentliche Quittung. Beim AUSklarieren war hingegen keine Zahlung fällig. Nun aber, beim 2ten Mal, sollte das der Fall sein. Ich frage erstaunt nach, wir haben etwa 10 Minuten diskutiert und er wurde unangenehmer. Ich bezahle am Ende. Der Mitarbeiter war zu dem Zeitpunkt alleine in seinem Büro, und mir war sofort klar dass er das Geld für sich haben wollte. Zumal er keine Kasse o.Ä und auf 50 EC$ kein Wechselgeld hatte. Quittung gabs logischerweise auch nicht.

Ich bin strikt gegen die Zahlung von Schmiergeldern, das macht nachfolgenden Seglern nur das Leben schwer. Wir Segler sollen und müssen hier an einem Strang ziehen! Nun hat der Kerl aber nicht nach einem Bakschisch gefragt. Sondern schlichtweg im Brustton der Überzeugung die offizielle EINklarierungsgebühr fürs AUSklarieren verlangt. Ich hadere lange mit mir. Ärgere mich, so schnell nachgegeben zu haben. Andererseits: Was soll man in diesem Fall tun? Ich wollte einfach keinen Ärger an unserem letzten Abend in St Lucia.

In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

St. Vincent & the Grenadines

Unkompliziert und relativ zügig. Sowohl das Einklarieren in Chateaubelair wie das mehrfache Ein- und Ausklarieren auf Union Islands oder Bequia. Beim letzten Mal Ausklarieren (November 2019) rief ich vorher den Zollbeamten an, wann er denn anwesend ist. Wir lagen nämlich in der Cumberland Bay auf St. Vincent und ich hatte wenig Lust, am nächsten Morgen auf dem Weg nach Norden dort noch einen Stopp einzulegen. Sonst wäre ich alternativ am Abend vorher kurz in die Wallilabou Bay. Der Zollbeamte bot an, am Abend in der Cumberland Bay vorbei zu kommen und mir vorher telefonisch Bescheid zu geben. Das tat er auch, und es kostete keinen Cent (über das spendierte Bier danach hat er sich gefreut – das offerierte ich aber erst als alles erledigt war und er gehen wollte).

Die Kosten beim Einklarieren weiss ich nicht mehr.
In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

Martinique & Guadeloupe

Das ist Frankreich, das ist EU. Eine Passkontrolle habe ich nie erlebt. Ein- und Ausklariert wird am Computer, alle Daten gibt man selbst ein. Am Anfang etwas mühsam weil man z.B. „Allemagne“ nicht unter „A“ findet sondern irgendwo ganz hinten im Scroll Down Menü, ich glaub hinter Swaziland. Tipp: Nicht scrollen sondern einfach „Allemagne“ eintippen. „BIKINI“ als unseren Heimathafen kannte das Programm auch nicht, aber nachdem ich gefunden hatte wo die „Marshall Iles“ im Menü waren, wars leicht das „Majuro Atoll“ zu finden.

Es handelt sich um PCs mit einer speziellen Anbindung an die Zollbehörde – vom eigenen Rechner aus geht also nicht. In vielen Orten gibt es solche PCs, aktuelle Törnführer sollten sie aufgelistet haben. Ich schreib hier nur von den Orten, an denen ich selbst ein/ausklariert hatte. Die Kosten schwanken, je nachdem was derjenige verlangt, der den PC-Service anbietet. Selbiges gilt auch für die Öffnungszeiten: Grundsätzlich kann am PC rund um die Uhr ein-/ausklariert werden. Aber kein Laden hat rund um die Uhr auf.

In Le Marin (Martinique) z. B. sind 3 solcher PCs im Büro der Marina. Die Marina verlangt pro Deklaration 5 €uro. In Saint Pierre (Martinique) steht der Rechner in einem Restaurant. Kosten: Nach eigenem Ermessen etwas in die Sparbüchse werfen. In Fort de France (Martinique) steht der PC bei einem Ship-Chandler (einem Laden für Schiffszubehör). Ich habe dort noch ein paar Artikel gekauft und musste für die Klarierung nichts bezahlen. In Terre de Haut (Iles de Saintes) steht das Teil beim örtlichen Anbieter der Mooring-Bojen. Kosten: 2 €uro. In Deshaies auf Guadeloupe steht der Computer in einem Souvenirladen, Klarieren kostet 4 Euro. Usw. usw.

Dominica

Ich habe in Roseau ein- und gleichzeitig ausklariert. Das geht, wenn man sich nicht länger als 14 Tage in Dominica aufhält und kein Crew-Wechsel erfolgt. Das Procedere lässt sich erheblich beschleunigen – und man muss viel weniger Formulare ausfüllen – wenn man eine eigene Crewliste mit den notwendigen Daten mitbringt. In mind. 3 facher Ausfertigung. Dann schreibt man einfach immer nur „see attached“ aufs amtliche Formular, Datum & Unterschrift – fertig.

Kosten: Ich weiß gar nicht mehr, wie hoch die Standard-Gebühr war. Ich glaube 15 EC$, war jedenfalls sehr preiswert. Die Gebühr für „overtime“ aber – weil ich beim 1. Mal in Dominica an einem Samstag einklarierte – waren satte 110 EC$.

Stempel in den Pass gibt’s keine. Ausser man wünscht dies ausdrücklich als Souvenir. Dann kann man zu einem eigenen Schalter.

Antigua

—- Update vom 13.6.2020 – – – –

Ein weiteres spezielles Erlebnis zum Einklarieren in Antigua nach der Covid-Welle ist hier beschrieben:

Einklariert und frei

—- ENDE UPDATE – – – –

—- Update vom 18.1.2020 – – – –

Heute sind wir zum 3. Mal nach Antigua. Dieses Mal habe ich in Jolly Harbour einklariert. Es verlief ganz anders als die letzten beiden Male! Sehr freundlich und angenehm. Alles easy und zügig – wie ausgewechselt.

Lediglich die Dame vom Hafenbüro bittet mich, ihr Büro zu verlassen weil sie grade ihr Mittagessen verspeist. Ich solle in 20-30 min wieder kommen. Weil es wie aus Eimern vom Himmel gießt, setzte ich mich draußen in der überdachten Veranda einfach hin und warte. Als sie fertig gegessen hat kommt sie raus, entschuldigt sich kurz auf die Toilette und dann bittet sie mich ins Büro. Nicht ohne sich ernsthaft für die Wartezeit zu entschuldigen – aber sie ist alleine und brauche auch mal ein Mittagessen. Find ich völlig nachvollziehbar und verständlich – es war zudem Samstag.

Ich bezahle auch nur 40 EC inkl. Cruising permit für 1 Monat. Keine overtime-Gebühr. Umgerechnet 15 USD. Ein Bruchteil dessen, was ich die anderen beiden Male im English Harbour berappen musste. Ich hatte die Belege von damals nicht aufgehoben und kann jetzt nicht mehr sagen, woher der heftige Unterschied kommt.

—- ENDE UPDATE – – – –

Buah. Puuh!! Hier gilt: Tief durchatmen. Viel Geduld mitbringen. Und: Nagelneue, idealerweise druckfrische, US-Dollarnoten.

Unbedingt zu empfehlen: Vorher schon mal elektronisch auf der Website die Einreise anmelden und alle Crewdaten (inkl. Passnummern usw.) eingeben. Das hatte ich gemacht und mir so einiges an Zeit erspart. Dann geht’s zum Hafenamt, Zoll & Immigration:

Diese 3 Ämter müssen durchlaufen werden. Aber nicht eins nach dem anderen. Sondern hin und her. Vom Zoll gibt’s ein Papier. Damit geht’s zur Immigration (ein Schalter weiter im selben Gebäude). Da sitzen dann 2, 3 oder 4 Mitarbeiter, beschäftigt mit irgendwelchen furchtbar wichtigen Dingen. Wie WhatsApp schreiben auf dem Handy, mit der Mutter telefonieren, das Stempelkissen von Flusen reinigen, etc. etc.. Auf keinen Fall unterbrechen – das führt nur zu Sanktionen! Hat man mit ausreichender, geduldiger Warterei signalisiert, dass man die Hackordnung anerkennt (Ich Segler bin das arme Würstchen das etwas von Dir, honoriger Vertreter des Staates, möchte), geht’s dann schon mal etwas vorwärts. Wieder zurück zum Zoll, dann wieder zur Immigration, zurück zum Zoll, mit einem neuen Papier zur Immigration usw. An jedem Schalter wies ich darauf hin, dass ich gleich für morgen wieder ausklarieren möchte. Das verkürzt aber nichts – denn beide Dinge gleichzeitig am selben Schalter zu erledigen geht auf Antigua zumindest im English Harbour gar nicht. Zum Ausklarieren ist zwingend NACH der Einklarierung der ganze Prozess erneut zu durchlaufen – nur in teils umgekehrter Reihenfolge.

Kurz vor Ende des Einklarierungsprozesses steht das Hafenamt. Auch dort hatte die Dame sichtlich keine Lust zu arbeiten und hängt gelangweilt im Nebenzimmer rum. Dass ich am Schalter stehe und warte, kann sie eigentlich gar nicht übersehen haben. Ich kontaktiere hilfesuchend die Dame vom Zoll, die inzwischen so etwas wie Verständnis für mein Anliegen entwickelt hat. Oder sich über meine Bewunderung Ihrer schönen Fingernägel gefreut hat. Oder mich auch einfach nur endlich los werden will. Jedenfalls ruft sie die Dame im Hafenamt auf Ihrem Handy an und erklärt ihr, dass der Herr der da vor Ihrem Schalter wartet, die Gebühren bezahlen möchte. Da kommt dann so einiges zusammen: Bearbeitungsgebühr für die elektronische Voranmeldung per Internet, Eintrittsgebühr in den Nationalpark, Cruisinggebühr, eine Gebühr pro Person, usw. Keine Ahnung, ich weiß alles gar nicht mehr. All in waren es so um die 80 USD. Zahlbar in USD.

Keine auch nur leicht schmutzigen oder beschädigten USD Noten verwenden!

Ich lege einen 100 USD Schein hin. Den hält sie an einem Ende kurz hoch, gibt ihn zurück und meint: Der ist schmutzig. Ich verstehe nicht, denn der Schein sieht wirklich noch sehr sauber und gut aus. Aber an einer Ecke ist tatsächlich sowas wie ein kleiner Fleck. Könnte ein alter Fettfleck sein, vielleicht doppelte Stecknadelkopfgrösse. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und reiche ihr 2 x20er und 1 x 50er. Den 50er will sie auch nicht. Denn er hat – tatsächlich – in der Mitte vom Rand her einen etwa 2mm langen Einriss. Ja was nun? Segeln führt offenbar bei mir zu Tiefenentspannung , denn ich rege mich nicht auf. Sondern biete ihr verständnisvoll an, ob nicht doch eine Kreditkartenzahlung möglich wäre. Ja doch, das ginge wohl dann doch aber nur in EC$ und nicht in USD. Kein Problem, meine ich. Sie: Aber dann muss ich alles umrechnen. Ich zeige Verständnis und äußere mein Bedauern und zeige ihr nochmals meine USD Scheine: Mehr habe ich nicht. Also gut, sie nimmt unter Einsatz von viel Energie den Taschenrechner in die Hand. Usw. Stunden später sind wir endlich einklariert. Und irgendwann, so grade vor Dienstschluss, auch für den nächsten Morgen wieder ausklariert.

Antigua ist schön! Wir kommen wohl in der nächsten Saison wieder. Auch wenn das Ein- und Ausklarieren eine unheimliche Gedulds- und Nervenprobe ist.

In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

Update Dezember 2019
Dieses Mal lief sowohl das Einklarieren, wie das spätere Ausklarieren relativ gesittet und zügig ab. Relativ – es war immer noch mühsam, das Personal immer noch gelangweilt & arrogant. Aber nicht mehr ganz so extrem wie noch im Februar2019.

Barbuda

Gehört politisch zu Antigua. Offiziell ist nur das Ausklarieren, nicht aber das Einklarieren in Barbuda möglich. Fürs „In“ soll man zuerst nach Antigua. Das liegt, so versichert man mir im customs Office von Barbuda, aber nur daran, dass das Internet immer wieder zusammenbricht und es nicht gesichert ist, dass zeitnah die Einklarierung im System erfasst wird. Weil das Ausklarieren nicht so wichtig ist und auch ein paar Tage später erfasst werden darf, kann man hingegen einfach ausklarieren. Ohne die in manchen Törnführern erwähnte Vorankündigung – man muss einfach hin. Wenn der Beamte nicht da ist – in Barbuda kennt ihn jeder und seine Handy-Nr.  hängt am Eingang des Büros. Selbiges befindet sich etwa 10 – 15 Minuten Fussweg vom Hafen entfernt. Wegbeschreibung: Einfach fragen, die Menschen sind hilfsbereit.

Montserrat

Zackig & freundlich. So schnell als in der Little Bay gings noch nirgends. Da wir vor hatten, binnen 72h die Insel ohnehin wieder zu verlassen, habe ich zur selben Zeit ein- und für 3 Tage später wieder ausklariert. Gebühren: 35 EC.

Nevis

Was habe ich im Internet für Geschichten drüber gelesen. Stimmt alles nicht! Gut, die Dame beim customs (Zoll) in Charlestown war zunächst sehr gelangweilt und langsam. Taute aber auf als ich mich nicht daran störte, sondern sie höflich fragte, wie ich denn verfahren müsste um in St. Kitts wieder auszuklarieren. Zoll, Immigration & Hafenbehörde (man muss alle 3 besuchen und zum Schluss wieder zurück zum Zoll, ein Formular der Hafenbehörde abgeben) sind in Charlestown im selben Gebäude Tür an Tür. Alles easy. Ankern vor dem Hafen ist nicht erlaubt. Wir nahmen zwangsweise eine der zahlreichen Mooring Bojen. Im Internet las ich diverse Schauergeschichten über deren Qualität. Kann ich nicht bestätigen: Ich habe sie bis zur Verankerung abgetaucht und fand keine Schwachstellen. Verankert ist die Boje jedoch nicht mit einem Gewicht sondern mit einem in den Boden gebohrten Haken. Wie stark der Haken nun im Boden fixiert ist – das kann man nicht sehen.
An unserem 3. Abend ging ein Schnellboot der Küstenwache für eine kurze Inspektion längsseits. Geprüft wurde u.a. Vorhandensein, Anzahl und (tatsählich!) Zustand & Ablaufdatum von Rettungswesten, Feuerlöscher, Notsignale sowie EPIRB.

St Kitts

Auf Nevis hatte man mir mitgeteit, wir müssten in St Kitts nur noch beim Zoll ausklarieren. Die Immigration hätte uns bereits wieder ausklariert und zum Hafenamt müssten wir nicht mehr. Weil wegen der Dezember-Aktion, an denen MwSt-frei eingekauft werden kann, Basseterre recht voll ist, stoppen wir beim Flughafen um auszuklarieren. Der dortige Zoll will uns als Segler aber nicht ausklarieren. Dafür stellt die Immigration fest, dass wir in Nevis doch noch nicht ausklariert wurden und erledigt das. Also doch noch zum Zoll nach Basseterre. Am Cruise Ship Terminal schickt man uns erst weg in die Marina. Ich werde nirgends fündig, laufe zurück zum CruiseShip Terminal – wo man mich zum Hafenbüro schickt. Dort meinte man es wäre nichts weiter nötig. Erst später wird mir klar, dass das ja nun wirklich das Hafenbüro war – und in der Tat habe ich meine Hafengebühr ja bereits in Nevis bezahlt und ist daher nichts weiter nötig.

De facto haben wir also beim Zoll in St Kitts gar nicht ausklariert – weil ich den Zoll nirgends gefunden hatte. Aber die Papiere aus St. Kitts & Nevis intressierten an unserem nächsten Ziel St. Barths aber eh keinen.

St Eustatius / Statia

Das ist Niederländisch und dort läuft es immer etwas komplizierter und langwieriger ab. Zahlreiche Angaben auf dem Formular wie z.B. die Seriennummern unserer 2 Volvo Motoren müssen eingetragen werden. Der Beamte bestand darauf diese Angaben auch zu machen (Ich hatte die Volvo Papiere aber nicht mit und mir deswegen zwei Nummern ausgedacht – geht auch).

Auch darf man, wenn man sein Dinghy im Zollbereich parkiert hat, nicht einfach so auf der Strasse nach draussen gehen. Ich wurde zurück beordert – ich müsse durch die Fussgängerschleuse 2 Meter neben der Durchfahrt  gehen (nur um dann auf genau derselben Strasse zu landen).

Es ist eine Marinepark- (oder auch Hafengebühr) fällig. Das ist ein- und dasselbe. Nur wird es offenbar, je nachdem wer die Papiere erstellt, unterschiedlich bezeichnet. 10 USD/Tag oder 30 USD/Woche.
Wenn man echte Einheimische erwischt, läuft alles locker – flockig ab – der Papierkram und die Lauferei muss halt sein. Hat man einen Niederländer vor sich, wird es eher zäh. Aber auch nicht unangenehm – einfach eine Prise Humor und Geduld mitbringen!

St Barth

Läuft fast so ab wie auf den sonstigen französischen Inseln (siehe Martinique & Guadeloupe). Nur ist das technische System etwas anders. Im Gegensatz zu Martinique & Guadeloupe kann man die Ein- und Ausklarierungswebsite auch vom eigenen PC per Internet aus aufrufen. Am Ende erhält man eine kleine Nummer. Diese gut notieren (Ein Selbst-Ausdrucken der Ein-/Ausklarierung am eigenen PC geht nicht) . Zum Ausdrucken & Abstempeln muss man dann nach Gustavia in die capitanerie. Es wird zudem eine Marinapark-Gebühr fällig. Wir zahlten fürs Ankern vor Gustavia rund 20 Euro pro Nacht, während wir für die Anse Colombier (egal ob Boje oder Anker) 1,50 bezahlten.

Wie in Martinique & Guadeloupe auch interessiert sich in St Barth niemand für die Ausklarierungspapiere der vorigen Location. Für uns praktisch, da wir in St Kitts beim Zoll nicht ausklariert hatten.

Sint Maarten

Wir sind von St. Barth in die Simpson Bay, also den niederländischen Teil. Vor der Einfahrt unter die Simpson Bay Brücke liegt linker Hand (ausserhalb der Lagune) das kleine Büro mit customs, Immigration & Hafenbehörde. Hier läuft es wieder un-elektronisch ab. Es heisst einen ganzen Stapel von Papieren auszufüllen, mit teilweise noch nie vorgekommenen Fragen zum Schiff usw. Nichts spezielles aber es dauert etwas, bis man alle 3 Ämter durch hat. Man zahlt u.a. eine Gebühr für die Brücke und den Verbleib in der Lagune, abhängig von der Schiffsgrösse. Die Ausklarierungspapiere vom letzten Hafen müssen vorgelegt werden (in unserem Fall war das St Barth).

Die Ausklarierung dauerte etwas länger. Bei der Immigration war ich rund 45min beschäftigt, immer wieder wurde etwas erfragt, dann überprüft. Wir waren über Weihnachten nämlich in die Schweiz geflogen, hatten das Schiff in der Marina gelassen. Obwohl ich das bereits beim Einklarieren genannt hatte (das ist zwingend erforderlich, zusammen mit einem Beleg der Flugbuchung, und wird auf den Unterlagen erwähnt), mussten alle meine Angaben noch mal überprüft werden. Den Sinn habe ich nicht verstanden.

Anguilla

Geht nur in Sandy Ground, wo man hervorragend ankern kann. Sehr einfach und freundlich. Für alle anderen Buchten inkl. der Crocus Bay benötigt man ein nicht grade billiges Cruising Permit! Dieses gilt von Mitternacht bis Mitternacht, ergo benötigt man bei einer Übernachtung ein Permit für 2 Tage.

British Virgin Islands

Nach Möglichkeit in Spanish Town (Virgin Goda) oder Soppers Hole/WestEnd (Tortola) einklarieren. In Road Town tut man sich mit Yachties recht schwer. Wir haben mehrere Male ein- und ausklariert, da wir wegen des Flughafens in St Thomas 2x rüber in die US Virgins sind.  Road Town war beide Male harzig, die übrigen waren in Ordnung. Dazu noch meine ganz spezielle Erfahrung – siehe hier. So übel erging es mir zuvor nirgendwo. Falls ihr in Road Town einklarieren wollt/müsst – vermeidet den Sonntag.

Je nach Officer ist es deutlich mehr oder weniger Papierkram. Manchmal reichte das Standard-Formular mit den 5 Durchschlägen. Ein anderes Mal musste ich pro Crew-Mitglied noch jeweils 1 oder 2 verschiedene Formulare, 1 Gesundheitsforumlar und 1 Zolldeklaration ausfüllen (all in also 1 x Schiffs-Formular und 4 weitere Formulare pro Crew-Mitglied). Entgegen anderslautender Versicherung in Spanish Town und in WestEnd wurde unsere max. Standard-Aufenthaltsdauer von 30 Tagen bei der Ausreise in die USVI NICHT unterbrochen! In Road Town hiess es dann plötzlich: Die 30 Tage beginnen mit dem Tag der Einreise zu laufen und laufen weiter, auch wenn man zwischendurch die BVI verlässt. Siehe den oben stehenden Link zu einem eigenen Beitrag.

US Virgin Islands

Wir haben jeweils nur in St John, in der Cruz Bay, einklariert. Wir beide – deutsche Staatsbürger – hatten uns lange vor unserer Reise noch in Bern ein 10 jähriges B2-Visum besorgt weil ESTA bei Einreise auf eigenem Kiel nicht geht. Das ganze Proceder war extrem freundlich, schnell & kostenlos. Ausklarieren ist NICHT erforderlich wenn man für das nächste Zeil keine Ausklarierungspapiere vorzuweisen braucht. Das ist der Fall wenn man z.B. von den USVIs in die BVIs geht.

Grenada

Die normale Gebühr (ohne overtime) betrug im November 2019 für unsere 51 Fuss 75 EC. Das Prozedere war sowohl in der Prickly Bay wie auch in der Tyrell Bay auf Carriacou schnell und unkompliziert. Wobei man mich in der Tyrell Bay übers Ohr gehauen hatte: Die Gebühr wurde (im Mai 2019) 2x verlangt. Siehe diesen BLOG Beitrag dazu.
In den Pass gibt es einen Stempel sowohl bei der Ein- wie bei der Ausreise.

Tobago & Trinidad

ist eine Nummer für sich!

Wir sind zunächst von Grenada nach Tobago (Charlotteville). Dann schrittweise weiter bis nach Chaguaramas auf Trinidad, wo wir INVIA 6 Monate auf dem Trockenen liessen. Ende Oktober 2019 kam sie wieder ins Wasser.

Alles verlief bei uns immer recht langsam – jedoch freundlich (ich beachte aber auch strikt die Gebote der Höflichkeit und übe respektvollen Umgang mit den Beamten). Es ist nur ein Heidenpapierkram. Der, wenn man die overtime vermeidet, nichtmal extra kostet. Ausser viel Zeit. Die normale Gebühr betrug 50 TT – und war bei uns nur 1 malig zu bezahlen: Als wir im Mai 2019 in Charlotteville einklarierten. Damit kamen wir von Tobago bis Chaguaramas. Und auch Ende Oktober 2019 auch wieder raus aus Trinidad, nach Grenada! Wobei die Lady im Büro Chaguaramas meinte, 50 TT seien eigentlich fällig aber dann nur mit den Augen zwinkerte.

WICHTIG:
Für die Berechnung der overtime Gebühr ist NICHT auschlaggebend, wann man im Büro erscheint. Sondern der Zeitpunkt, zu dem man den Anker wirft oder wieder hebt!
Wer also z.B. um 16:01 (bzw. 17:01 – hängt vom Wochentag ab, weiss nicht mehr genau wann wie wo was galt) den Anker wirft, muss die Gebühr bezahlen. Wer sich sputet und dies noch bis 15:59 gemacht hat, zahlt nichts extra. Selbiges gilt beim Ablegen/Anker Auf gehen. Also genau auf die Uhr gucken….

Hat man einklariert, darf man leider nicht einfach so rumsegeln. Was insbesondere für Tobao mit seinen schönen Buchten lästig ist (in Trinidad haben wir ausserhalb Chaguaramas nur in der Scotland Bay geankert). Man braucht für jede Bucht eine Erlaubnis. Ein sogenanntes BayHopping Permit. Das ist gratis – aber eine formelle Voraussetzung. Man muss genau angeben, wann man wohin will. In Charlotteville hat man das nicht so eng gesehen: Als wir uns entschieden etwas länger in Charlotteville zu bleiben, hat man mir einfach ein neues Permit gegeben und gesagt, ich solle dann selbst das passende Datum eintragen. Lästig ist auch, dass man für die westlicher gelegenen Buchten ein BayHopping Permit von Scarborough braucht – man also erstmal dorthin muss. Auch muss man in Charlotteville ausklarieren und in Scarborough neu einklarieren. Selbiges gilt dann für die Weiterreise nach Trinidad. Ich habe, wie erwähnt, nur 1 einziges Mal, in Charlotteville, meine 50TT bezahlt. Die komplette folgende Ein- und Ausklariererei, auch das Bay Hopping Permit war gratis – nur eben viel Lauferei.

5 Antworten auf „Einklarieren & Ausklarieren in der Karibik“

  1. Ja wirklich. Ein- und Ausklsrieren ist ein Abenteuer.
    Was noch wichtig ist: in Badezeug oder ohne vernünftigem shirt und Hose sollte man erst gar nicht antanzen! Man erwartet meist auch durch angemessene Kleidung den Respekt.

  2. Hallo Dorothee, hallo Stefan,

    tausend Dank für die sehr hilfreichen Informationen und vor allem die sehr unterhaltsame Darstellung des Ein- und Ausklarierens. Wir waren bisher mit dem Wohnmobil unterwegs und haben an den Grenzen auch unsere Erfahrungen sammeln können, mithin viel Geduld zeigen müssen :). Wir (Alex & Nicole) bereiten uns gerade auf die Karibik vor. Bei der Suche nach Erfahrungsberichten über anfallende Kosten bin ich auf Eure Seite gestoßen. Da wir selber auch einen Blog betreiben (auf dem ich gerne über sogen. „Grenzerfahrungen“ auf dem Landweg geschrieben habe), weiß ich, wie viel Arbeit dahintersteckt und möchte Euch herzlich für die Mühe danken.

    Wir werden Euch weiter verfolgen und wer weiß, vielleicht „segelt man sich ja über den Weg“.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  3. Hallo Stefan. Vor zwei Tagen habe ich in English Harbour auf Antigua einklariert. Deine gemachten Erfahrungen kann ich glücklicherweise nicht teilen. Bei mir ging das Prozedere flott und freundlich über die Bühne. In rund 30 Minuten waren alle Formalitäten erledigt. Die erforderlichen Daten übermittelte ich bereits vor dem Auslaufen in Guadeloupe mit eSeaClear. Die Gebühren beglich ich mit zerknitterten EC$, welche kommentarlos entgegengenommen wurden. Wünsche Dir und Dorothee einen guten Start ins 2020. Liebe Grüsse Daniel von Bord der Vairea.

    1. Schön dass ihr es ganz anders erlebt habt! Ich war im Dezember das 2te Mal da. Es lief geringfügig zügiger aber immer noch sehr zäh. Beim 2. Mal hab ich nur mit Kreditkarte bezahlt.

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