Einklarieren und Ausklarieren in den USA, Puerto Rico, US Virgin Islands

Ich schildere hier unsere Erfahrungen als Deutscher mit einem Nicht-US-Schiff. Bei anderen Nationen mag der Ablauf ein Anderer sein – das weiss ich nicht.

Tipps zum Ein- und Ausklarieren in der Karibik gibts hier.

B1/B2 Visum

Ein solches ist obligatorisch. ESTA geht nur wenn man mit öffentlichen Verkehrsmittel einreist, nicht aber bei Einreisen mit einem privaten Fahrzeug, Flugzeug oder Schiff. Das gilt nicht nur fürs US-Festland sondern auch alle US-Territories wie bspw. die US Virgin Islands und Puerto Rico inkl. der zugehörigen Inseln wie Culebra (die sogenannten Spanisch Virgin Islands).

Das Visum ist dann 10 Jahre gültig, berechtigt zu einem ununterbrochenem Aufenthalt von max. 6 Monate am Stück. Mehrere Einreisen sind möglich. Was passiert wenn man nach 6 Monaten kurz ausreist und dann wieder einreist – weiss ich nicht. Sollte aber gehen, triggert dann vermutlich eine US-Steuerpflicht und andere Fragen.

Zwingend erforderlich zum Erhalt des B1/B2 ist ein Interview-Termin auf einer US-Botschaft. Terminvereinbarung, Bezahlung, Hochladen eines biometrischen Passbildes gemäss den US-Anforderungen vorgängig, online.

Bevor man die Einreise angeht, sollte man sich unbedingt vorher die App „CBP Roam“ auf seinem Mobiltelefon installieren und einen verifizierten Account auf der CBP Website holen! Weil die App laufend aktualisiert wird, verzichte ich darauf, ihre Handhabung zu erläutern. Als wir sie benutzen, musste ich meine Systemeinstellungen von Deutsch auf Englisch umstellen weil es anders nicht funktionierte.

Bei Ankunft im US Territory meldet man dann seine Einreise mit allen Daten an. Muss dann aber als Nicht-US-Bürger immer noch zum nächsten CBP Büro. Persönlich mit allen Crew-Mitgliedern und den Schiffspapieren.

Unbedingt die Ausreise dokumentieren!

Die USA kontrollieren Visas und stempeln Pässe bei der Ein- nicht aber der Ausreise. Daher hat man keinen offiziellen Nachweis der Ausreise. Ich habe aufgrund der weiter unten stehenden Erfahrungen selbst vergebens mal versucht eine solche Ausreisebestätigung zu erhalten, bin von einer Stelle zur nächsten und habe sogar mit dem Leiter der CBP am Flughafen telefoniert. Ergebnis: Eine solche Bestätigung wird, bzw. wurde mir seinerzeit, von den US-Behörden verweigert. Lapidare Antwiort: Wir machen das nicht.

Das führt ggf. zu massiven Problemen, zum Verdacht eines „illegal overstays“ bei einer späteren Wiedereinreise. Weil man u.U. nicht nachweisen kann, wann man die USA zuvor verlassen hatte.

Bei der Ausreise mit dem Flugzeug ist das im Normalfall kein Problem weil die Ausreise elektronisch erfasst wird.

Aber: Es funktioniert nicht immer.

Wir wissen von einem deutschen Seglerpaar, das mit ihrem eigenen Schiff von den Bahamas kommend an die US Ostküste gesegelt ist. Dort einwandfrei einklariert, alles paletti. Ihr Schiff haben sie dann in den USA gelassen und sind für etliche Monate nach Hause geflogen. Als sie zurück zu Ihrem Schiff wollten, wurden sie am Flughafen in den USA bei der Einreise festgenommen. Vorwurf war „Missbrauch des US-Visums“, der US-Beamte könne ihren vergangenen Aufenthalt nicht nachvollziehen. Sie wurden tatsächlich für etwa einen Dreiviertel Tag inhaftiert um dann mit dem nächsten Flieger zurück nach Deutschland verfrachtet. Inkl. Eintrag auf die US-Sperrliste. Erst in Deutschland dann hatten sie die Möglichkeit, sich gegen den Vorwurf zur Wehr zu setzen indem sie die Details mit der zuständigen US-Botschaft auseinandersetzen. Innerhalb der USA war kein Rechtsweg möglich. Denn der zuständige CBP Beamte hat hier, anders als man das vielleicht in Europa kennt, absolute Handlungsvollmacht. Was der sagt, gilt. Und wenn der Beamte der Ansicht ist: „Sie versuchen illegal in die USA einzureisen“ – dann ist das so und Punkt.

Tipp:

Auf https://i94.cbp.dhs.gov/I94/#/home kann man prüfen, welche Ein- und Ausreisedaten die USA in ihrem System haben und ggf. im Vorfeld eine Klärung versuchen.

Trotzdem ein Wort zu den CBP-Beamten: Persönlich habe ich diese immer freundlich erlebt. Ich mag die USA und ich mag auch den meist pragmatischen Umgang, der sich meiner Erfahrung nach oft mehr am gesunden Menschenverstand orientiert als an Paragraphenreiterei. Aber man muss auch wissen dass die USA und speziell auch die customs & immigration anders funktionieren als in Europa.

Auch wir selbst wurden einmal verdächtigt, einen illegal overstay gemacht zu haben.

Wurden dabei aber zuvorkommend und freundlich behandelt. Den Beamten war klar, dass ein Systemfehler vorliegen musste. Passiert ist uns das 2021 beim Einklarieren in Culebra, einer der Spanish Virgin Islands, zu Puerto Rico gehörend, aus dem französischem St. Maarten kommend.

So erfahren wir, dass man beim letzten Verlassen des US Staatsgebiets (das war im Juni 2020, als wir in St Croix, US Virgin Islands, ausklarierten) zwar die INVIA, nicht aber uns als Personen ausgecheckt hat. Ergo waren wir laut dem EDV-System nach wie vor in den USA. Unerlaubterweise weil unser Visum nur 180 Tage zulässt. Anhand der Einreisstempel der übrigen Inseln & Länder im Pass ist natürlich ersichtlich, dass dem nicht so sein kann. Nur sind das Stempel anderer Länder – einen amtlichen US-Beleg über das Verlassen des Hoheitsgebietes haben wir nicht, und auch nie erhalten.

Unter all den vielen Stempeln in unseren Pässen fanden wir gemeinsam den Einreistempel aus Antigua, vom Juni 2020. Die CBP Beamten in Culebra haben den dann kopiert und im US-System als Ausreisebeleg hinterlegt.

Das Cruising-Permit hat seine Tücken

Überhaupt ist das Segeln in US-Gewässern zwar wunderschön, aber hält einige bürokratische Fallstricke bereit. Ein solcher ist das Cruising permit fürs Schiff. Das ist für jedes Nicht-US-registrierte Schiff erforderlich – ausser in den US-Virgins. Es ist kostenlos und wird bei der Einreise (und nur bei der Einreise) auf Wunsch für 1, 3, 6 oder 12 Monate erteilt.

Aber Vorsicht: Ein Cruising Permit kann, egal wie lange es gültig ist, nicht verlängert werden. Wer also von der Karibik kommend sich Richtung USA bewegt und denkt, da nehme ich doch in Culebra oder Puerto Rico gleich mal die 12 Monate, kann in ernste Schwierigkeiten kommen. Denn die 12 Monate beginnen mit dem 1. Tag des permits zu laufen und stoppen nicht automatisch beim Ausklarieren. Wer sich also z.B. 1 Monat in den Spanish Virgins und Puerto Rico aufhält, danach die US-Gewässer verlässt um 6 Wochen in der DomRep zu verbringen, dann weitere 2 Wochen in den Turks & Caicos und dann noch 4 Monate in den Bahamas bevor er zu Beginn der Hurricane-Zeit die US-Ostküste ansteuert: Dessen Schiff kann sich dann nur noch 5 Monate in US – Gewässern aufhalten. Will man also nicht weiter gen Norden bzw. zurück nach Europa sondern später zurück Richtung Bahamas oder Karibik, geht das kaum mehr vor dem Ende der Hurrikanesaison.

Mein Rat:

Ist ein Cruising-Permit abgelaufen, muss das Schiff (das Schiff – nicht die Personen!) 14 Tage ausserhalb der US-Gewässer sein. Danach kann das Schiff wieder einreisen und ein neues Permit einholen. Daher einfach entsprechend planen.

Theoretisch kann man ein Cruising permit beim Verlassen des US Gewässers auch canceln lassen. Das rate ich aber nur wenn man die Möglichkeit hat, eine offizielle Bestätigung zu bekommen. Wir haben das beim 1. Mal in Puerto Rico so gemacht. Der CBP -Beamte, den wir nicht persönlich zu Gesicht bekamen (weil das Ausklarieren per Fax von der Marina aus erfolgte), vergass jedoch diesen Schritt. Glücklicherweise hatte der Officer dann in North Carolina Monate später ein Einsehen und erteilte uns ein neues 12 Monate-permit obwohl das alte noch 1 Monat gültig war. Was er eigentlich nicht durfte. Aber es hätte sonst alle unsere Pläne über den Haufen geworfen.

Meldepflicht

Die US-Gewässer sind in zahlreiche Zonen aufgeteilt. Es ist Pflicht für ausländische Schiffe, sich beim Erreichen einer neuen Zone unter Angabe der Nummer des cruising permits telefonisch bei der zuständigen Behörde zu melden.

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