Spring Point Settlement, Landrail Point, Clarence Town & Port Nelson

2 Nächte liegen wir in der Bight of Acklins und können wegen des starken Windes nicht von Bord. Am 1. Abend, dem Tag unserer Ankunft, kommen uns noch Noel & Ceu von der Lifepart2 besuchen. Tags darauf bläst es uns allen zu sehr, um das Schiff zu verlassen. Umso erfreuter sind wir, als am Tag 3 der Wind soweit nachgelassen hat, dass wir einen Landgang wagen können. Die Crew der Lifepart2 ist so nett und holt uns mit ihrem Dinghy ab. Wir fahren bis zu einem alten Pier, das von einem Hurricane zerstört wurde und machen das Dinghy an den Resten davon fest.

Die „So Long“, im Bild hinten rechts, nutzte den Tag ebenfalls für einen Landausflug und hat ihr Dinghy neben dem alten Pier an den Strand geholt. INVIA liegt ganz hinten im Bild, rechts neben der Palme
Am alten Pier finden sich noch Reste der alten Tankstelle. Hier die ehemalige Zapfsäule. Auch die Tanks stehen noch, und die Leitungen zum Pier. Beides inzwischen völlig verrostet
Ehemalige Diesel- und Benzintanks

Wir laufen über eine neue Strasse vorbei am Generatorhaus, wo der Dieselgenerator den Strom für die Insel produziert, zur „Haupt“strasse. Rechts liegt der Flugplatz, über den fast jede Insel hier auf den Bahamas verfügt. Wir biegen links ab und laufen weiter bis zur Hauptstadt von Acklins, dem Spring Point Settlement. Dort leben rund 20 Menschen. Es gibt eine Tankstelle mit kleinem Markt, eine Polizeistation. Offenbar sind auch 2 Polizisten hier stationiert denn mit einem sprechen wir in der Station, ein zweiter begegnet uns kurz darauf in seinem Dienstfahrzeug, einem Jeep.

Und es gibt: Einen nagelneuen „700 Wine & Spirit“ Laden. Das ist eine Kette, die auf den Bahamas alkoholische Getränke verkauft. Ob der Laden hier wohl dauerhaft rentabel sein kann? Acklins wird von Cruisern und Touristen kaum angesteuert. So sorgt unser Besuch bei den wenigen Einwohnern für Abwechslung. Jedes der wenigen Fahrzeuge, die uns passieren, hält an für einen kleinen Schnack. Woher wir kommen, was wir machen usw. Fragt ob wir etwas brauchen, ob man uns sonstwie helfen, ob man uns mitnehmen kann. Wir lehnen immer dankend ab, sind wir ja gerade hier, um unsere Füsse wieder bewegen zu können.

Segelnd durch die Bight

Zurück auf der INVIA verbringen wir eine 3. Nacht und gehen am nächsten Morgen – der Wind hat stark nachgelassen – Anker auf.

Segelnd verlassen wir die Bight auf demselben Weg den wir gekommen sind:

Unglaublich türkis ist das Wasser hier
Einfach unfassbar klares Wasser

Landrail Point

Wir gehen hoch in den NordWesten von Crooked Island zum Landrail Point. Diese Ecke kennen wir schon vom letzten Jahr. Ein kurzer Landgang und Besuch der Bar beim Flugplatz und der neuen Marina. In der Marina gibt es auch ein Restaurant, das sogar am Freitagabend geöffnet ist . Im übrigen ist auf Crooked Island ab Freitagabend und am Samstag geschlossen, denn die Insel ist überwiegend von Mitgliedern der 7day Adventisten besiedelt. Wir sind nach der Überfahrt beide etwas müde und lassen das Essen im Restaurant aus, das erst um 19.30 Uhr serviert werden würde. Am nächsten Morgen geht es weiter.

Clarence Town

Long Island heisst das Ziel. Kennen wir auch schon vom letzten Jahr, aber dieses Mal gehen wir mit INVIA an die raue Ostseite. In Clarence Town fällt unser Anker, nahe beim Government Pier und der Flying Fish Marina.

Das Mailboot, also das Versorgungsschiff, liegt grade da und eifrig wird noch beladen. Normalerweise wird nur entladen, nämlich Waren (oft Lebensmittel), die aus Nassau zu den Inseln gebracht werden. Long Island hingegen ist nicht nur fruchtbar sondern hat auch Menschen, die tatsächlich etwas Landwirtschaft betreiben. So kommt es, dass von Long Island auch ein paar Produkte exportiert werden. Wie wir hören, hauptsächlich Bananen & Plantains, eine Art Kochbanane, die auch in unserer Küche rege Verwendung findet.

Um selbst noch Frischware ergattern zu können sind wir schon zu spät. Wir docken unser Dinghy in der Marina, wollen dort ins Restaurant. Das ist gut, wissen wir noch vom letzten Jahr, als wir mit dem Mietwagen hier waren. Überall kleben Schilder, dass das Anlanden von Dinghys nicht erlaubt ist. Wir machen es trotzdem, melden uns dann im Marina Büro. Ausnahmsweise sei das OK teilt man uns mit. Nun ja, wir haben das schon freundlicher erlebt – zumal wir mit dem Restaurantbesuch ja auch ordentlich Umsatz hier lassen. 2 junge Norweger werden hingegen abgewimmelt. Wir laden die beiden später auf die INVIA ein. Einfach schön, wenn sich 2 junge Menschen in solche Abenteuer stürzen: Sie sind unterwegs mit einem 34 Fuss kleinen Monohull, den sie grade vor kurzem in Luperon (DomRep) gekauft hatten. Zu einem Preis, nur wenig höher als das, was wir seinerzeit alleine für unser Dinghy mit dem Aussenborder bezahlt hatten. Im Juni muss das Teil wieder verkauft werden, denn dann beginnen sie ihr Studium. Ursprünglich wollten sie von der DomRep in die Karibik. Dann hatten sie aber festgestellt, dass diese Route gegen Wind & Welle doch etwas zu lange dauern würde und haben umdisponiert: In die Bahamas. Von dort dann in die USA, wobei sie das dafür erforderliche Visum nicht haben. Inzwischen laufen aber wieder Fähren zwischen den Bahamas und den USA, so dass sie auf diesem Weg ein ESTA erhalten könnten. Mit ESTA auf der Fähre zurück zum Schiff und dann damit in die USA.

Die Nacht ist recht rollig, es steht etliches an Schwell rein. Für die 2. Nacht wollen wir gerne etwas mehr Ruhe und planen uns zu verlegen. Vorher aber heisst es: Frisches Obst & Gemüse bunkern. Wichtig für die Grundversorgung und unabdingbar, um die capitania bei Laune zu halten! Gar nicht so einfach, denn in Clarence Town gibt es: Eine Marina, eine Tankstelle, eine kleine Bäckerei, das Anlegedock fürs Versorgungsschiff. Und sonst: Nix. Rund 10km weiter müssten wir fahren, dann gibt’s den ersten Lebensmittelmarkt. Wir rufen den einzigen Taxifahrer des Ortes an. Eine verschlafene weibliche Stimme meldet sich und ist sichtlich überfordert mit der Frage, ob wir ein Taxi ordern könnten. Will irgend jemanden rufen (ich nehme an den Taxifahrer) – aber ich höre ewig nichts mehr. Beim erneuten Anruf meldet sich die Mailbox. Wir laufen zu UWR, einem Mietwagen-Verleiher. Der ist erstaunlich gross und das Büro tatsächlich besetzt. Aber irgendwie sieht auch die capitania ein, dass es Unsinn ist, soviele $$ auszugeben – nur um frisches Gemüse einzukaufen. Denn für mehr brauchen wir den Wagen nicht – wir haben die Insel inkl. des faszinierendem Blue Holes und der Hamilton Höhle schon letztes Jahr ausgiebig erkundigt.

Erikas Bakery in Clarence Town, klare Ansage an die Kunden.

Also auf zu Erikas Bäckerei, wo es neben Kartoffeln und Zwiebeln auch diverses Gemüse gibt. Nur halt tiefgefroren. Kaum sind wir raus aus dem Laden, hält ein Fahrzeug neben uns. Martha, eine Rentnerin ursprünglich aus Florida sitzt am Steuer. Sie ist selbst vor Jahren mal um die Welt gesegelt, wohnt jetzt 8 Monate im Jahr hier und den Rest in Florida.

Unsere Einkaufstaschen wären kaum gefüllt, meint sie. Ob wir denn noch mehr bräuchten? Sie hole grade eine Freundin aus der Marina um dann einkaufen zu fahren. Wir sollten doch rein springen und mitkommen. Machen wir, und so kommen wir zu einer kompletten Einkaufstour. Martha steuert diverse Läden an, weiss wo was am besten zu bekommen ist.

Und so geht’s dick bepackt zurück zum Dinghy und von dort zur INVIA. Einkäufe verstauen und Anker auf. Wir verlegen uns 1 Meile weiter nordöstlich, direkt hinters Riff. Dort liegen wir endlich ruhig und schaukeln nicht ständig hin und her:

Geschützt liegen wir hinterm Riff. Vor dem Riff tiefblau die offene See.

Rum Cay

Ein paar Stunden schönes Segeln am Wind später erreichen wir Rum Cay. Bei der Annäherung leuchten Kreidefelsen und Sandküste an der Ostküste der Insel bereits von Weitem weiß. Den Weg zum Ankerplatz müssen wir uns vorbei an Korallenköpfen suchen. Wieder einmal sind die Explorer Charts zutreffend. Bei den Bedingungen heute – klares ruhiges seichtes Wasser, Mittagssonne im Rücken – sieht man die Korallenköpfe aber auch in Natura gut genug zum Navigieren.

Das Anlanden mit dem Dinghy erweist sich als sehr schwierig. Wir haben Springebbe, d.h. der Wasserstand ist besonders niedrig. Unter INVIA´S Rudern beträgt er gerade noch 1,0m und Richtung Strand wird es auch fürs Dinghy zu flach. Zwar hat man einen Channel für das Mailboot geschaffen. Am neuen Dock für das Versorgungsboot können wir aber nicht anlanden. Es ist viel zu hoch und hat leider nicht mal eine Leiter zum seitlich Hochklettern. Einen Platz zum Beachen für das Dinghy finden wir bei dem derzeit niedrigen Wasserstand nicht. Also versuchen wir es beim still gelegten Marinaprojekt östlich des kleinen Ortes Port Nelson.

Rum Cay, Port Nelson
Vereinzelte Korallenriffe im Sand-Meer

Der ehemals ausgebaggerte Einfahrtskanal zur Marina ist bereits sehr versandet. Weiter drinnen ein trostloses Bild. Mehrere Schiffe liegen versunken im Marinabereich, drum herum Flachwasser. Einige größere Häuser in ähnlichem Baustil scheinen zum ehemaligen Marinaprojekt zu gehören und augenscheinlich im Besitz von Amerikanern. Sie haben ihre typischen hochgebauten Motorboote zum Tiefseefischen in die Marina manövriert, wohl bei Flut.

Ehemals ausgebaggerter und nun versandeter Einfahrtskanal zum Marinaprojekt
Gesunkener Katamaran im ehemaligen Marinaprojekt
Versunkener 2-Master im ehemaligen Marina Projekt
Eine Sandstraße führt vom Marinaprojekt in den Ort Port Nelson, der nur aus wenigen Häusern besteht.
Weg vom ehemaligen Marina Projekt nach Port Nelson

Kaje’s Bar nahe des Mailboot Docks ist geöffnet. Wohnhaus, Restaurant und Bar in einem. Eine handbeschriebene Tafel führt eine Reihe an Gerichten an. Tatsächlich gibt es aber grad noch 2 Essen, einmal Hammel und einmal Fisch. Ich traue dem angesichts der Örtlichkeiten nicht so ganz, aber die Capitania ist unerschrocken. Der Hammel schmeckt nicht nach Hammel vor lauter Curryschärfe. Allerdings ist es auch nicht leicht, Fleisch in Knochen und Sehnen zu finden. Nicht mein Ding. Einfach ist das Leben auf den Outer Islands, den kleinen sogenannten „Family Islands“, für deren Bewohner nicht.

In Kaje’s Bar

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