Raus aus der Hitze!

Es ist brutal feuchtheiß auf der INVIA. Chaguaramas, wo INVIA an einer Boje auf den ersten Segeltag der neuen Saison wartet, liegt sehr geschützt. Ergo kaum Wind. Eigentlich hätten wir ja eine Klimaanlage. Und einen Generator, der sie betreiben soll. Wie in 9 von 10 Fällen zuvor ist der aber zickig und verweigert die Stromversorgung. Der captain bastelt und probiert, aber es ist – wieder mal – ein Teil defekt. Der Schweiß läuft ab 8 Uhr morgens in Strömen. Raus aus der Hitze!!

The Big 5 Festival

Mit Chery und Jack von der Taiga verabreden wir uns für den Abend. Schön die beiden Kanadier wieder zu sehen, die wir aus Tobago kennen. Sie organisieren uns Karten für einen Abend mit den 5 großen Steelbands von Trinidad. Das ist ein echtes Erlebnis – und ein langes, gespielt wird bis nach Mitternacht. Die Einheimischen tanzen und schwofen mit, wenn besonders beliebte Titel gespielt werden.

Steelband mit Sängerin
Steelband mit Sängerin
Steelband mit Engel

Am nächsten Tag ist Sonntag und langes Wochenende. Denn weil am Sonntag Feiertag ist-Diwali, ein hinduistisches Fest- ist dann auch am Montag Feiertag. Ist doch logisch oder? Wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt und damit der arbeitsfreie Tag ausfallen würde, verlegt man den freien Tag auf den Montag. Diese Regelung spiegelt die Arbeitseinstellung in Trinidad gut wieder.

Port of Spain – Zoo

Wir wollen raus und fahren mit dem Maxitaxi nach Port of Spain und weiter in den Zoo. Das Maxitaxi funktioniert wie die Minibusse auf anderen Inseln. Man wartet, ob irgendwann so ein Kleinbus vorbei kommt und streckt dann die Hand aus als Signal, dass man mit will. Fahrplan gibt es keinen. Die Preise sind fix, allerdings nirgendwo angeschrieben (Maxitaxi Chaguaramas nach Port of Spain 6TT, Privattaxi 7-10TT mit der Möglichkeit, sich direkt am eigenen Schiff absetzen zu lassen. Innerhalb Port of Spain kosten die Privattaxen 5TT). Uns hat nie ein Fahrer übers Ohr gehauen. Im Gegenteil, die Fahrer halfen immer, wenn wir nicht wussten, wo wir aussteigen müssten. Die Busse verkehren in  Zonen. Chaguaramas liegt in der Zone gelb, dh die Maxitaxis dort sind weiß mit gelbem Streifen. Diese Busse dürfen unter der Woche nur in der gelben Zone verkehren. Am Wochenende sind die Fahrer frei, auch in andere Zonen zu fahren. Ein Plan der Regierung, die Regelung abzuschaffen, stieß auf wütenden Protest der Fahrer. Scheint also zu funktionieren, die Regelung.

Wo kein Maxitaxi verkehrt, nehmen Privattaxen mit. Erkennbar sind die daran, dass sie kurz hupen oder die Lichthupe betätigen. Wenn man mit will, streckt man die Hand aus. Der Preis ist Verhandlungssache.

Mit solch einem Privattaxi kommen wir von der Haltestelle des Maxitaxi in den Zoo. Dort ist alles sehr liebevoll für Halloween geschmückt, obgleich es bis dahin noch fast 1 Woche ist. Es gibt sogar eine Art Gruselkabinett. Eine dunkle schmale Halle, in der mehrere verkleidete Mitarbeiter mit sichtlich Spaß auf Besucher warten, die sie erschrecken können. Der Captain hat großen Spaß dabei mit zu tun und treibt 2 Frauen mit Kindern erfolgreich in die Flucht.

Der für die Schlangen zuständige Mitarbeiter erzählt uns, eine der beiden Albino Boas sei verletzt in den Zoo gekommen und dort gepflegt worden. Sie sei mit über 8m Länge inzwischen schon sehr groß für das eher kleine Terrarium und werde daher nur noch einmal im Monat gefüttert. Morgens vor der Öffnung des Zoos, damit niemand sehe, wie die Schlange ein ganzes lebendes Kaninchen auf einmal verschluckt. Danach sei die Schlange einen Monat mit dem Verdauen und Häuten beschäftigt.

Albinoboa

Tour in den Süden

Für den freien Montag organisieren wir uns eine Ganztagestour. Leider hat der Taxiservice von Jesse James keine Tour. Jesse macht sich um die Belange der Segler auf Trinidad sehr verdient. Ihm hätten wir gerne den Verdienst gegönnt. Alternativ gehen wir mit Trintours aus Port of Spain, die Ulric schicken. Er weiß viel über die Insel und ihre Menschen zu erzählen. Zum Beispiel, dass Chaguaramas früher eine amerikanische Militärbasis war und der angrenzende Ortsteil Carenage ein Stundenhotel für Dienste in der Freizeit der Army hatte sowie etliche Prostituierte.

Die Fahrt in den Südwesten bis zum Pitch Lake zeigt nicht unbedingt Begeisterndes. Trinidad ist im Vergleich zu den bisher besuchten Inseln industrialisiert. Petrochemie und Gas sorgen für entsprechende Skylines. Der Südwesten der Insel ist der am stärksten besiedelte Teil, fast die Hälfte der Einwohner leben hier. Früher gab es in der Gegend weite Zuckerrohrflächen. Nach Abschaffung der Sklaverei holte man Arbeiter aus der damaligen Region Ostindien. Sie bilden auch heute noch mit etwa 35% eine große Bevölkerungsgruppe und sind sogar etwas stärker vertreten als die von den afrikanischen Sklaven abstammende Gruppe. Nach unserem Eindruck ist die indischstämmige Gruppe im Wirtschaftsleben Trinidad agiler. Wir genießen unterwegs 2 typische Imbissgerichte der Eastindies Küche: Doubles und Saheena. Beides Gerichte mit Kichererbsen, vegan und sehr lecker.

Doubles
Saheena

Die indischstämmige Bevölkerungsgruppe ist vielfach hinduistischen Glaubens und unterhält etliche Tempel in Trinidad. 2 sehen wir unterwegs. Und sehen den Diwali Schmuck vom Abend vorher in den Gärten. Bunte Fahnen und Bambusrohre, auf denen Lichter platziert waren. Leider haben wir davon und vom Feuerwerk zum hinduistischen Feiertag nichts mitbekommen.

Temple in the sea
Temple in the sea
Jaya Guru Datta
Jaya Guru Datta
Jaya Guru Datta
Flaggenparade
Flaggenparade
Flaggenparade

Heute gibt es keinen Zuckerrohranbau mehr, da der Staat beschloss, diese wenig ertragreiche Tätigkeit einzustellen und die Flächen für andere wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Die ehemaligen Arbeiter bekamen kleine Flächen zugeteilt. Auch wurden vom Staat günstige Häuser errichtet. Nennenswerte Landwirtschaft gibt es jedenfalls im Südwesten der Insel heute nicht mehr. Auch die Eisenbahn gibt es nicht mehr. In einem Staat, der soviel Petrochemie hat, ist Bus- und Autofahren billig.

Alte Eisenbahnbrücke

Teersee

Trotz der dichten Besiedelung hat sich für uns die Fahrt gelohnt, denn der Pitch Lake begeistert uns. Der See besteht aus einer natürlichen Ansammlung von Asphalt an der Erdoberfläche, durchzogen je nach Regen von Kratern und kleinen Teichen mit Wasser. Wegen des Mineral- und Gasreichen Wassers und Bodens gibt es nur speziell adaptiert Pflanzen und Tiere im Wasser. Es ist das weltweit größte Vorkommen dieser Art. Venezuela hat ebenfalls einen Asphalt See, der mit dem im nahen Trinidad verbunden ist. Der Venezuelas ist aber nicht zugänglich.

Blick auf den Teersee
Pitchlake
Pitchlake
capitania mit Tourguide
frischer Teer
weicher Teer
An etlichen Stellen wird der Teer immer weicher. Hier weiter zu gehen ist gefährlich, man kann versinken.
weicher Teer
Das Wasser rund um den Teersee ist sehr eisenhaltig

Faszinierend ist, dass man im Asphalt zum Teil noch Holzreste sieht, die vom ehemaligen Dschungel auf diesem Gelände stammen. Die angrenzende Stadt La Brea liegt mit auf dem Asphalt, der zum Teil in den Vorgärten hochbricht. Viele der Häuser im Ort schwimmen auf dem Asphalt und müssen alle 3-6 Monate neu unterfüttert werden, damit sie nicht schräg stehen oder gar brechen.

Teer quillt überall aus dem Boden, selbst in den Gärten
Teer quillt überall aus dem Boden, selbst in den Gärten

Der Asphalt ist Wirtschaftsfaktor. Zum einen wird er immer noch abgebaut, zum anderen zieht der See Touristen an. Am See gibt es Führungen. Weitere touristische Infrastruktur sahen wir aber nicht.

Caroni Swamp

Begeistert hat uns mindestens ebenso die spätnachmittägliche Fahrt im Vogelschutzgebiet Caroni Swamp. Jeden Tag um 16 Uhr fahren Holzboote die Touristen durch hohe Mangrovenwälder in das Schutzgebiet bis hin zu mehreren Inseln.

Mangrovenwald
Mangrovenwald
Fahrt durch den Mangrovenwald im Caroni Bird Sanctuary
Eine Boa direkt über uns
Eine Boa direkt über uns

In den Mangroven sahen wir zweimal Eulen. Und zweimal hingen ungiftige Boas über unseren Köpfen in den Ästen der Mangroven! Was dann bei den Inseln passierte, war einzigartig. Jeden Abend ab 16 Uhr fliegen Scharen von roten Ibissen in die Bäume auf einer der Inseln, um dort über Nacht geschützt zu schlafen. Sie suchen Schutz und Wärme beieinander und setzen sich daher fast alle auf die Bäume dieser einen Insel, nur wenige bevölkern die Nachbarinsel. Die Insel sieht im Laufe des Abends aus wie mit rotblühenden Bäumen übersät. Dazwischen fliegen auch weiße Vögel heran, die zwischen den roten Ibissen schlafen. Die weißen suchen allerdings alle Schutz im Inneren der Bäume, so dass man sie nur heranfliegen sieht, bevor das Grün sie verschluckt.

Ibisse im Anflug
Eine grüne Insel voller roter Vögel
Eine grüne Insel voller roter Vögel
VIDEOS

Der captain hat eine Reihe sehenswerter Videos gedreht. In der Hitze fehlt ihm die Musse, alles schön zusammen zu schneiden. Zumal er sich erstmal in die neue Software einarbeiten müsste. Hier aber eine kleine Sammlung sehenswerter Clips:

Scotland Bay

Als die Stromversorgung über den Generator auch am nächsten Tag trotz intensiver Bemühungen des Captains nicht zum Laufen kommt, haben wir genug. Wir verlegen uns 3 Seemeilen weiter in die Scotland Bay.

Scotland Bay
Scotland Bay

Hier ist es zwar auch heiß und das Wasser ist trüb. Aber immerhin schwimmt kein Öl und Müll darin. Endlich können wir schwimmen, wenn es zu schwitzig wird. Und sind endlich verschont vom Dreck und Lärm in Chaguaramas. Und sehen abends große Fledermäuse dicht über das Wasser fliegen. Und hören morgens Brüllaffen röhred schreien. Da kommt ja schon fast Segelfeeling auf!

VIDEOS von Brüllaffen am ankerplatz

Auf dem Video nicht zu sehen. Aber zu hören!

Komplette Bildergalerie

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