New York, New York

Herrliches Vorwindsegeln, zunächst unter Wingaker, dann bei stärkerem Wind mit unserem entsprechenden Spinnaker, bringt uns zügig Richtung New York.

INVIA ist mit einer Segel-Garderobe der Luxus-Kategrie ausgestattet. Nur dass zwei der Segel ein trauriges Schattendasein führen und in der Segellast vor sich hinkümmern. Denn an die reinen Vorwindsegel haben wir uns nie so richtig dran getraut. Teuer eingekauft und dann nie benutzt – eine wahre Schande und eines echten Seglers unwürdig (meint der captain, der diesen Absatz hier schreibt). Mit moralischer Unterstützung der Blown Away und vor allem der fern-mündlichen Beratung durch die Vairea haben wir uns bereits in den Bahamas an das Setzen des Wingakers (Parasailor) getraut. Das machen wir jetzt wieder und ich lerne dank WhatsApp Beratung durch Vairea langsam, wie ich den Wingaker trimmen muss. Überhaupt muss ich ihn viel höher fliegen lassen als bisher – dann entwickelt er richtig Vortrieb!

Als der Wind über 20kn TWS (True Wind Speed, also wahre Windgeschwindigkeit) zunimmt, bergen wir ihn. Und trauen uns tatsächlich an das Setzen des Starkwind-Spinaker, der im Grunde ähnlich gesegelt wird. Er besteht aus deutlich festerem Tuch und steht auch ohne „Tragfläche“ wie eine 1.

Wir geniessen wieder einen traumhaften Segeltag. Bald schon sehen wir die imposante Skyline New Yorks, als jemand den Heißluftfön anschaltet und direkt auf uns richtet.

Hitzedom

So jedenfalls fühlt es sich bei unserem Einlaufen in Sandy Hook an, einem von Stränden gesäumten Gebiet ca. 15 Seemeilen vor New York. Kurz nach dem Ankern erreicht uns beide über unsere amerikanischen Simcards eine Notfallwarnung. Ein Hitzedom liegt über New York und Umgebung, dh ein stationäres Hoch heizt die Luft Tag um Tag weiter auf. Man solle den Stromverbrauch reduzieren, da andernfalls – wohl dank intensiver Nutzung von Aircons – die Stromversorgung zusammen brechen werde.

Später am Abend schalten Gewitter und Schauer den Fön ab. Leider hält die instabile Wetterlage an und wir laufen anderntags im Regen in den Hudson River ein. Kurz vor der Liberty Statue meldet sich die Coastguard über Funk. Welche Position wir hätten, welche Farbe unser Schiff und seine Aufbauten, Größe und Gewicht des Schiffes, Registrierungsnummer und Vieles mehr wird erfragt. Amerikanische Freunde meinen später, die Befragung der Besatzung von Schiffen mit ausländischer Flagge diene der Terrorabwehr. New York als Pseudonym für die westliche Welt sei besonders terrorgefährdet und kurz vor einem bedeutenden Festtag wie dem Independence Day seien die Behörden sehr wachsam. Sie seien darauf trainiert, Unsicherheit und Lügen beim Gegenüber zu erkennen und würden in einem solchen Fall umgehend das einlaufende Schiff boarden. Der Captain macht seine Sache am Funk gut und wir dürfen unseren Weg zur Freiheitsstatue fortsetzen. Eileen und Brown von der Blown Away ankern bereits unweit vor Ellis Island und haben zugesagt, INVIA vor der Liberty zu fotografieren. Wir kennen die beiden von den Bahamas, hier ihr You Tube Kanal:

You Tube Kanal BLOWN AWAY

Die Freiheitsstatue sehen wir beim Einlaufen in dunklen Regenwolken

Leider verhindern Regen und miserable Lichtverhältnisse das Foto. Wir hoffen es ergibt sich noch eine Gelegenheit dafür. Denn auch wenn wir zuvor gemeint hatten, die Einfahrt nach New York sei nicht speziell für uns – sie ist es doch. Wir beide haben Gänsehaut und hätten sehr gerne ein Erinnerungsfoto von INVIA und der Freiheitsstatue.

Wir ankern zwischen Ellis Island und New York. Und blicken direkt auf die imposante Skyline des Financial District von New York. Premiumlage vor einer Millionenstadt, irgendwie surreal. Beeindruckend auch der Blick zur anderen Seite Richtung Ellis Island. Die Insel war über 30 Jahre zentrale Immigrationsstelle. Hier landeten die zahllosen Einwanderer, die in Amerika ein neues Leben wagen wollten. Ellis Island und Freiheitsstatue sind heute Nationalpark.

INVIA mit Blick auf den Financial District, danke für die Fotos, Eileen von der Blown Away!
INVIA mit Blick auf Ellis Island
Unser Blick von INVIA auf den Finanzdistrikt von New York

Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam mit Eileen, Brown und einem weiteren amerikanischen Seglerpaar per Dinghy zur Erkundungstour nach New York. Wir können das Dinghy in der North Cove Marina mit Blick auf das World Trade Center parken. Per Beiboot ins Herz von New York. Umsonst ist das nicht. 75 Dollar kosten die 6 Stunden, in denen das Dinghy in der Marina liegt. Personen per Dinghy absetzen oder aufpicken kostet in der North Cove Marina je 10 Dollar.

Dinghyfahrt zu sechst
North Cove Marina
North Cove Marina
Metrostation Oculus am World Trade Center, hier treffen sich 12 Metrolinien

Blick aus dem Oculus

Nur ein paar Schritte sind es aus der Marina, bis wir an der Gedenkstätte für die Opfer der 09/11 Attentate stehen. Wir beide haben die Bilder noch vor Augen von Flugzeugen, die die Twin Towers zum Einstürzen bringen. Das Memorial ist beeindruckend. An Stelle der Twin Towers stehen zwei metallene Wasserbecken, auf deren Boden je ein weiteres Wasserbecken in uneinsehbare Tiefen führt. Wasser fließt von der Umrandung des oberen Beckens in das untere. Die Namen aller Opfer der Anschläge auf Twin Towers und Pentagon sind in die metallene Brüstung der oberen Wasserbecken eingraviert. Bei einigen Namen stecken weiße Rosen. Wikipedia hat deutlich bessere Fotos dazu als wir: https://de.wikipedia.org/wiki/National_September_11_Memorial_and_Museum

Memorial mit Blick auf World Trade Center

Mit Brown von der Blown Away am Memorial

Wir sind beide eigenartig berührt von arabischen Besuchern, die vor der Gedenkstätte für Fotos posieren. Und müssen uns beide vor Augen führen, dass unsere Gefühle in rassistische Rubriken abzugleiten drohen. Wir bewundern das Zusammenleben der vielen Kulturen in New York. Diese Stadt ist ein Schmelztiegel, wie wir ihn so noch nirgends erlebt haben.

Beim weiteren Gang durch die Stadt sehen wir, wie sich teilweise Kulturkreise ihr eigenes Umfeld in der großen Metropole schaffen. Da ist Chinatown mit seinen unzähligen kleinen chinesischen Läden und Restaurants und einem Park, in dem man sich zum Spielen trifft.

Direkt nebenan Little Italy, ein deutlich kleineres Viertel und geprägt von italienischen Restaurants.

SoHo, das schicke Viertel mit Designerboutiquen und noblen Restaurants.

Immer wieder: Feuertreppen
Feuertreppe in luftiger Höhe

Tribeca, ehemals Industriequartier und heute mit Loftwohnungen und angesagten Bars und Restaurants entwickelt.

Parkfläche ist rar, daher parkt man in Etagen. Parken ist so teuer, wie noch nirgends sonst gesehen
Geschäftsmodell Fönfrisur. Verschiedene Styles, aber kein Haarschnitt. Einmal fönen für 49 Dollar.

Lower Manhatten mit Finanzdistrikt und Wall Street.

Schlange stehen, um einmal auf dem Kopf des Bullen an der Wallstreet zu sitzen. Dem Captain reicht ein Foto vorm Bullen.

Captain und New Yorker Stock Exchange

Trinity Episcopal Kirche an der Wallstreet
Straßenverkäufer
Park an der Wallstreet
Statehouse
Dampf ablassen an der Wallstreet. Diese orange-weißen Dampfableiter sehen wir an vielen Stellen in der Stadt. Es gibt es nach wie vor dampfleitende unterirdische Rohre zu Heizungs- und anderen Zwecken. Bei Lecks und Leitungsproblemen wird oberirdisch abgeleitet. Der Dampf ist sehr heiß.
Wie fotografiert man Hochhäuser? Die Kulisse ist immer wieder unglaublich beeindruckend.

Fifth Avenue mit den Boutiquen aller namhaften Modedesigner.

Direkt angrenzend der Central Park. Ein großer grüner Park mit Teichen, Seen und Zoo, direkt hinter den Bäumen und verwunschenen Grünanlagen ragt die Skyline der Hochhäuser auf. Grandios ist dieser Kontrast.

Im japanischen Restaurant Nobu nahe 5th Avenue

Und danach Eintauchen in den abendlichen Rummel am Times Square, umgeben von Leuchtwerbung und dicht an dicht gedrängt ist es ein krasser Gegensatz zum Central Park und doch nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Straßenverkäufer nahe Time Square

INVIA liegt inzwischen in der Liberty Landing Marina. Die befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum World Trade Center.

INVIA in der Liberty Landing Marina
Das PumpOut Boot kommt auf Anforderung und pumpt für 5 USD unseren Schmutzwassertank (fürs WC Abwasser) aus

Allerdings liegt sie jenseits des Hudson Rivers und gehört zu New Jersey. Die unsichtbare Staatsgrenze macht einen deutlichen Unterschied beim Taxifahren. Zunächst nehmen wir die Liberty Landing Fähre, die jeweils zur halben und vollen Stunde Liberty Landing und New York verbindet, Kostenpunkt 7 Dollar pro Person und Fahrt. Und fahren dann mit dem Taxi zum Museum of Modern Arts.

Blicke aus dem Museum of Modern Art

Auf dem Rückweg lassen wir uns abends vom Times Square zurück in die Marina fahren. Da das Taxi uns vom Bundesstaat New York in den Bundesstaat New Jersey bringt – über die nicht sichtbare Grenze im Tunnel unterm Hudson River – ist ein Zuschlag von 20 Dollar fällig.

New York soll die Stadt sein, die niemals schläft. Laut Frank Sinatra soll man es überall schaffen, wenn man es in New York schafft. Beides glaubt sofort, wer diese Stadt erlebt, die uns beide in ihren Bann zieht.

Alles ist größer hier, auch die Betonmischer. Und die Stadtkulisse bietet als solche ein ebenso buntes Gemisch wie ihre Bevölkerung

Wir haben noch unzählige weitere Fotos. Auch welche mit Sonne, denn inzwischen ist das Wetter besser. Gute Bedingungen für unseren Blick vom 70. Stock des Rockefeller Centers. Zum Beispiel. Wir werden davon und natürlich vom 4. Juli, dem Independence Day, und von einer Vielzahl weiterer Erlebnisse in den nächsten Tagen berichten. New York ist einfach überwältigend.

Bildergalerie:

2 Antworten auf „New York, New York“

  1. Euer Bericht weckt Erinnerungen an die Zeit, als ich in New Jersey gearbeitet habe und sehr oft die Wochenende (ohne Schlaf natürlich!) in NY verbracht habe. Das ist nun auch schon bald 30 Jahre her.

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