Saftladen Grenada Marine

Mit dem frisch ausgestellten Führerschein in der Hand fahren wir zu Grenada Marine. Einen Versuch wagen. Grenada Marine (GM) hat seine eigenen, teils abstrusen Regeln & Ideen, wie man mit Covid-19 umgehen soll. Keine Ahnung woher das GM-Management das Wissen zu haben glaubt, warum diese oder jene Regel besonders sinnvoll sei. Denn keine andere Marina geht so vor, und seitens der Regierung von Grenada gibt es auch keinerlei ähnlich lautende Vorschriften.

So durfte man bei der Ankunft max. 2 Tage auf dem eigenen Schiff übernachten – und muss dann in eine externe Unterkunft. Weil GM mitten im Nichts liegt, heisst das viel Fahrerei mit Taxi oder Mietwagen. Alle uns bekannten Segler, die sich für GM entschieden hatten, waren schon beim Hault Out 2020 wegen diese Regel stocksauer.

Bei der Rückkehr verlangt Grenada Marine unter anderem eine Bestätigung über den bestandenen PCR Test (den aber das Gesundheitsministerium von Grenada nicht ausstellt – man wird nur telefonisch informiert). Eine weitere Regel besagt, dass man erst am Tag 11 nach der Ankunft Zutritt zum Marinagelände erhält. Diese Regel ist zwar nirgendwo schriftlich zu finden – weder auf der Website von GM, noch gibt es irgendeine Vorschrift seitens der Regierung von Grenada. Von Freunden, die schon länger vor uns ihr Schiff wieder zu Wasser gelassen haben, wurde uns diese Regel jedoch mitgeteilt.

Grund ist angeblich, es gäbe sehr viel auf dem Gelände zu tun und man wolle all die vielen Arbeiter vor einer Ansteckung schützen. Hmm, nun ja. Wenn es denn funktioniert.

Ein 1. Besuch auf INVIA

Am Samstag kommen wir ohne Probleme aufs Gelände.

Unser Mietwagen neben INVIA auf dem Gelände von Grenada Marine

Yippiejehjeyh! Eine 1. Inspektion gemacht, das Wichtigste überprüft und die Batterien wieder an die Solarzellen angeschlossen.

Etliches hat Schimmel angesetzt. Interessanterweise vieles aus Plastik. So zum Beispiel die Crogs-Schuhe der capitania: 100% Plastik, 100% von Schimmel überzogen. Ein Foto zu machen haben wir ganz vergessen, vor lauter Schreck hatte sie die Schuhe gleich entsorgt. Im Grunde geht aber alles gut abzureiben – nur:  Es ist wahnsinnig viel!

Schimmel auf dem äusseren Plastikdeckel meines Werkzeigkastens
Schimmel auf den Gummistiefel
Schimmel auf der wasserdichten Gummi-Tragetasche

Und wie nicht anders zu erwarten, ist von allen an GM vergebenen Arbeiten Nichts, 0, Nada, Zero, rein gar nichts erledigt. Dabei hatte ich ein mehrseitiges und sehr ausgiebiges Stück Papier in ausgedruckter Forum und elektronisch hinterlassen. Mit Foto und selbst erstellten Skizzen bebildert. Gut, es kam nicht überraschend: Ich hatte mehrfach aus Europa per Email nachgefragt, hatte mehrfach telefoniert und auch noch per WhatsApp hinterher gehakt.  Immer wieder hiess es: „Ja wir sehen uns das an und melden uns. Natürlich hat sich nie jemand von sich aus gemeldet. Usw. Es ist müssig, hier den BLOG drüber zu füllen, dieser 1 Satz fastt alles zusammen:

Grenada Marin ist ein chaotisch geführter Sauhaufen.

Niemals sehen die uns wieder. Diese Meinung teilen auch andere. Nur eins noch, dann höre ich auch schon auf:

Normalerweise wird das Unterwasserschiff nach dem Auswassern mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Der war aber defekt als wir rausgeholt wurde. Uns wurde mehrfach versichert, das würde umgehend nachgeholt. Ist – natürlich – nicht passiert. Die Folge: Der gesamte Bewuchs ist inzwischen felsenfest eingetrocknet. Lässt sich nur noch mechanisch entfernen. Was selten ganz ohne Beschädigungen vonstatten geht.

Wir belassen es mit einer 1. Inaugenscheinnahme und nutzen den Mietwagen, um nach St. Georges in die Spiceland Mall zu fahren. Großeinkauf: Haltbare Lebensmittel, Getränke usw. denn jetzt mit dem Auto ist das recht einfach. Später geht es nur noch über den zusätzlichen Umweg mit dem Dinghy und Minibus oder Taxi.

Und wir organisieren uns ein Hotel in der Nähe. Das La Sagesse war uns im Sommer zu überteuert. Wir probieren es diesmal aufs Neue, fahren direkt hin und bekommen ein unschlagbares Angebot. Zudem sind wir für etwa 1 Woche die einzigen Gäste, erst am folgenden Samstag soll ein Paar kommen, das aber im Quarantäne-Bereich unterkommt.

Unser Hotelstrand
Als einzige Gäste bewohnen wir ein schönes luftiges Zimmer im lila farbenem Haus. Das grüne ist für Neuankömmlinge, die erstmal in Quarantäne müssen. Dort ist im Moment aber niemand, erst für Samstag wird ein Paar erwartet.

Kein 2. Besuch auf INVIA gestattet

Am Sonntag dann wollen wir richtig anpacken. Als wir voller Tatendrang ankommen, wird uns der Zutritt verwehrt. Der Sicherheitsdienst telefoniert mit Pam, Eigentümerin oder Managerin (genau habe ich das bis jetzt nicht herausgefunden) und reicht mir dann sein Telefon. Nein es gehe auf gar keinen Fall, man hätte unseren Status und unsere Pässe noch nicht überprüft, wir dürfen erst am 11. Tag aufs Gelände usw. Auf meine Frage, warum denn rein gar nichts von den sehr detailliert beauftragten Arbeiten erledigt worden sei meinte sie dann rotzfrech, das sei überhaupt nicht der Fall. Seit Wochen würden alle nur an INIA arbeiten, es gäbe seit Wochen jeden Tag gar kein anderes Thema mehr usw. usw. Und das alles obwohl ich ja überhaupt nicht erreichbar sei und mich nie gemeldet hätte. Dass ich gut 4x per Email, 5x per WhatsApp und insgesamt 7x per Telefon nachgefragt habe – das, so meint sie, könne gar nicht sein. Das solle ich ihr zeigen & beweisen denn das glaubt sie nicht. Usw. Usw.

Wir ziehen von dannen, verlängern den Mietwagen um 2 Tage. Robert gibt uns einen Discount und verlangt nur noch 115 EC /Tag. So erkunden den langen Sandstrand an unserem Hotel und begutachten die Baustelle für das neue Six Senses Resort, das hier entsteht.

Am Montag geht´s dann doch.

Derselbe Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, der uns am Sonntag noch den Zutritt verwehren musste, lässt uns diesmal durch. Es wird die Temperatur der capitania & mir gemessen, unsere Handy-Nr. notiert und dann werden wir ins Büro geschickt. Dort sitzt Linda, wie immer gut gelaunt, und will kurz wissen seit wann wir aus der Quarantäne sind usw. Die 1 Zwangs-Nacht in Barbados zählt sie dann so als wären wir da bereits in Grenada gewesen (wie ursprünglich auch geplant) und dass dann der 11. Tag immer noch erst übermorgen wäre – irgendwie macht sie da kein großes Aufsehen. Von Pam hören wir auch nichts mehr. Offenbar wurde ihr dann doch bewusst, dass sie am Telefon etwas dick aufgetragen hatte.

Jedenfalls – wir dürfen zur INVIA.

Die capitania macht sich über den Schimmel her, ich an die Technik. Schoten und Falle wieder einziehen. Eine unserer italienischen Marco-Wasserpumpen hat den Geist aufgegeben. Die zweite jetzt, diesmal die kleinere UP-3 auf der Backbordseite. Genau die habe ich zum Glück als Ersatz an Bord, ich tausche sie aus. Echt lästig, und die Dinger sind nicht billig, kosten etliche Hundert Euro das Stück. Impeller- und Ölwechsel an den beiden Volvos steht an, auch der Generator will dasselbe und braucht neue Kühlflüssigkeit.

Wir streichen meist um 16.00 die Segel, so richtig Eile hat keiner von uns im Moment. Zumal auch drigende Arbieten zu machen sind, welche nur auf dem Trockendock gehen. Und wozu wir Mitarbeiter von GM brauchen (externe Arbeiter haben leider keinen Zutritt). Das aber dauert und dauert und man wird vertröstet und dann passiert nichts und beim Nachfragen heisst es „Oh ja ich kümmere mich“ und dann passiert wieder nichts usw.

Den verlängerten Mietwagen nutzen wir noch zu einenr weiteren Einkaufstour. Ein dringender Friseurbesuch steht bei mir an – und die capitania lässt auch gleich ein wenig an sich rumschnipseln.

Aufgang zum Friseurladen an der Strasse

Aus Europa habe ich neue Innenschläuche für unsere DInghy-Räder mitgebracht (trotzdem made in China, was anderes gabs nicht, hoffentlich hält das Zeug). Ich lasse sie mir bei einem Autoreifenhändler an der Strasse montieren denn alleine schaffe ich es nicht. Usw. usw

Und so vergeht die Zeit.

4 Antworten auf „Saftladen Grenada Marine“

  1. Keine Überraschung für mich. Wer die Karibik kennt weiss solche Arbeiten werden nur zur Zufriedenheit erledigt wenn mann mit dem Stuhl daneben sitzt. Also relax und freut Euch über das Klima und das Wetter. tom

    1. Machen wir auch. Und ja – war eigentlich zu erwarten. Freunde berichten aber auch, dass es anderswo viel besser läuft. Das Problem ist einfach, dass Grenada Marine keine externe Arbeiter reinlässt. Und man auf Gedeih und Verderb mit diesem grauenhaften Unternehmen klar kommen muss.

  2. Lasst Euch deswegen keine grauen Haare wachsen. Und sich ärgern verursacht Magenschmerzen. Zudem ist die Situation wohl kurzfristig nicht änderbar. Aber falls alle Stricke reissen, dann evtl. die Invia einwassern, dreimal ums Eck und in der Clarkes Court Werft wieder rausnehmen. Kostenintensiv, aber nervenschonend. Nächstes Mal evtl. Varadero Aruba? Super zuverlässig, top Leistung zu akzeptablen Preisen. Und danebensitzen war definitiv nicht nötig.

    1. Danke für die aufmunternden Worte!

      Wir lassen uns nicht unterkriegen. Versuchen das Beste draus zu machen. Von der Werft in Aruba habe ich viel Gutes gehört! Nur liegt es eben in Aruba. Da wir gerne dort weiter machen würden, wo wir wegen der Covid-19 Beschränkungen aufhören mussten, hätte Aruba viel Gegenan segeln bedeutet. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Vielleicht wäre das doch der bessere Ansatz gewesen.
      Viele Grüße nach Bonaire!

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