3 ½ Jahre sind vergangen.
3 ½ Jahre, in denen INVIA unter neuem Namen und mit neuen Besitzern im Mittelmeer unterwegs ist.
3 ½ Jahre, seit wir das letzte Mal an Bord waren. Überhaupt das letzte Mal auf einem Segelschiff.
3 ½ Jahre, in denen ich das Leben an Bord durchaus vermisse.
Und gleichzeitig auch froh bin, nicht mehr täglich das Wetter im Auge behalten zu müssen.
In denen ein technisches Problem nicht gleich ein kleines Abenteuer bedeutet, sondern ich einfach zum nächsten Baumarkt fahren oder einen Spezialisten rufen kann.
Nein – ich bin nicht traurig.
Nur manchmal wehmütig.
Manchmal.
Langweilig wird mir trotzdem nicht. Die Märkte bleiben spannend und
herausfordernd. Ich habe meine Trading-Strategie wieder umgestellt, handle aktiver und kurzfristiger. Heute ist es kein Problem mehr, jederzeit online zu sein. Wobei – dank Starlink wäre das inzwischen auf INVIA selbst auf hoher See problemlos möglich…
… da ist sie wieder, die Wehmut.
Wer sich jetzt fragt, wovon ich spreche: Ein kleiner Einblick in meine „andere Welt“ findet sich hier:
Ein neues Projekt an Land
Ganz ohne Projekte geht es natürlich nicht.
Die ex-capitania und ich – der ex-captain – haben uns in ein neues Abenteuer gestürzt.
Im malerischen Artá im Osten Mallorcas haben wir ein altes Haus gekauft. Baujahr? Irgendwann im 19. Jahrhundert. So genau weiss das niemand. In der Umgebung tragen viele Häuser das Jahr 1892 – schlicht, weil man damals begann, überhaupt zu dokumentieren.
Fest steht: Die Mauern sind massiv. Zwei Meter dick. Und voller Geschichte.
Das Haus liegt mitten in der Altstadt, und wir werden es von Grund auf renovieren. Es soll ein echtes Schmuckstück werden. Seit über einem Jahr warten wir nun auf die Baugenehmigung. Die Mühlen der Verwaltung in Artá mahlen langsam. Sehr langsam.
Das wussten wir vorher. Geduld gehört hier dazu.
Bis es losgeht, haben wir ein anderes Haus gemietet – ebenfalls in der Altstadt, modern, hell, am anderen Ende des Dorfes. Es tut gut, den kalten Monaten in der Schweiz zu entfliehen.
Artá hat etwas Besonderes. Ein Lebensgefühl, das wir sehr schätzen.
Und das Segeln?
Wir werden oft gefragt:
„Was waren eure schönsten Erlebnisse?“
Ich habe bis heute keine klare Antwort darauf.
So richtig begonnen hat unser Abenteuer eigentlich erst, als wir das Mittelmeer hinter uns liessen.
Plötzlich kein „Meer“ mehr, sondern ein Ozean.
Andere Winde.
Andere Wellen.
Andere Distanzen.
Andere Menschen.
Und vor allem: ein anderes Gefühl von Freiheit.
Auch die Gemeinschaft unter den Seglern verändert sich. Die Langfahrer ticken anders. Offener, entspannter, hilfsbereiter.
Ein Miteinander, das man so im Mittelmeer nur selten erlebt.
Die ersten Tage im Atlantik – ich erinnere mich noch genau.
Von den Kanaren ging es weiter auf die Kapverden. Im Rückblick hätten wir dort länger bleiben sollen. Die Inseln haben ihren ganz eigenen Charakter – fernab der touristischen Hotspots. Roh, ursprünglich, manchmal widersprüchlich, aber gerade deshalb faszinierend.

Und so könnte ich stundenlang weitererzählen.
All das findet sich hier im BLOG – beginnend etwa im September 2018.
Ein Moment, der bleibt
Ein Erlebnis möchte ich dennoch herausgreifen.
Die Einfahrt nach New York. Gratis Ankern direkt vor Manhattan. Rund um den 4. Juli!

Damals dachte ich noch: „Na ja, liegt halt auf dem Weg…. Ich kenne New York. So speziell wird das nicht mit INVIA.“
Wie falsch ich lag.
Tagelang ankern direkt neben Ellis Island.
Das Symbol der freiheitlichen westlichen Welt.
Mit dem Dinghy über den Hudson River nach Downtown Manhattan.
Die Skyline, das Licht, diese Energie.
Ich bekomme heute noch Gänsehaut!
Was würde ich heute anders machen?
Nicht viel.
Vielleicht ein anderes Schiff. Weil wir älter geworden sind: Etwas mehr Fokus auf Komfort, etwas weniger auf Performance.
Wobei unsere 51-Fuss grosse INVIA schon auch Komfort geboten hat.
Wenn ich heute wählen müsste?
Definitiv wieder einen Katamaran. Vielleicht eine Balance 540:
Qualitativ beeindruckend, viel Raum, viel Komfort – und trotzdem noch ein echtes Segelboot, keine „Bohrplattform“.
Nur wenig mehr als 1 Meter Tiefgang bei hochgezogenen Daggerboards…
… aber lassen wir das.
Und jetzt?
Heute ist unser Leben ein anderes. Ruhiger vielleicht. Planbarer.
Aber die Erinnerungen bleiben.
Und manchmal genügt ein Gedanke, ein Bild, ein Geruch – und man ist wieder mitten auf dem Ozean.
Für alle, die neu hier sind und vielleicht gerade erst über die letzten Beiträge gestolpert sind:
Die eigentliche Reise beginnt nicht hier am Ende.
Sondern ganz am Anfang.
Wenn ihr Lust habt, begleitet uns von dort an.
Vom Bau übers erste Ablegen bis zum grossen Ozean.

