Hogsty Reef

Eine der Bedingungen für die Erteilung des sogenannten Health Visa ist die Verpflichtung zur Abgabe eines täglichen Berichts über unseren Gesundheitszustand. Für die nächsten 14 Tage und per Internet. Im Grunde müssen wir uns also in den kommenden 2 Wochen in Gebieten aufhalten, in denen wir ausreichend Netzabdeckung haben. Das ist auf den Bahamas nicht immer einfach: So manche Insel ist wirklich abgelegen und verfügt nicht über eine Netzabdeckung. Ich habe daher unser iridium go Satellitentelefon wieder aktiviert, um im Notfall erreichbar zu sein bzw. selbst Notfallmeldungen absetzen zu können. Und auch, um immer aktuelle Wetterdaten abrufen zu können. Ob iridium go schnell genug ist, auch unsere Zustandsmeldungen abzusetzen, muss ich noch ausprobieren. Ggf. müssen wir per iridium unsere Kinder kontaktieren und sie bitten, für uns die Online-Formulare auszufüllen. Was beide im Vorfeld zugesagt haben.

 

Eine weitere Bedingung ist, sich an Tag 5 einem Covid-Schnelltest zu unterziehen. Grr, auch dieser erfordert wieder eine Nasenbohrerei, genau wie der von mir heißgeliebte PCR Test. Möglich ist dieser Test auf praktisch jeder bewohnten Insel der Bahamas. Nur sind nicht alle Testorte gut mit dem Schiff erreichbar.

Wir planen, den Test am Tag 5 auf Crooked Islands zu absolvieren. Nach der 2. Nacht, unserem Tag 3 auf den Bahamas, brechen wir auf, denn wir wollen nicht 5 Tage vor Great Ingua bleiben.  Zum Hogsty Reef, das auf dem Weg liegt.

Anfahrt unter Segeln auf das Hogsty Reef bei ruhigem Wetter, Navionics Karte auf unserem Display. Ohne Code D (siehe letzter Beitrag) sind wir bei dem leichten Wind leider nicht mehr ganz so zügig unterwegs.

Ein surrealer Ort! Beim Blick auf die Seekarte werden Pazifik-Sehnsüchte geweckt. Ein Riff zieht sich nahezu rundum, etwa 355 Grad. Einzig auf der Leeseite im Westen ist eine Einfahrt offen. Es gibt praktisch kein Land außer 2 klitzekleinen Sandbänken. Nur bei Ebbe ragt das Riff über die Wasseroberfläche.

Es gibt etwa 400 echte Atolle auf unserem Planeten. Fast alle im Pazifik und im indischen Ozean. Hogsty Reef ist eines von nur 3 im Atlantik.

INVIA inmitten des Hogsty Reef, an dessen Nordseite beim östlichen Ende. Sehr gut kann man die Brandung erkennen, an der sich die Wellen des „Aussen“-Meeres brechen. Jenseits des Riffs der tiefe Atlantik. dann das Riff das bei Ebbe aus dem Wasser ragt als Barriere, diesseits geringe Tiefen von 3 – 8m.

Bei der Annäherung sieht man als erstes das Wrack eines 1963 hier auf Grund gelaufenen Schiffes. Aus der Ferne dachten wir zuerst, hier ragt ein nicht kartographierter einzelner Felsen aus dem Wasser. Erst später erkennt man die Brandung rund um das Riff und nimmt wahr, dass es etwas anderes als Fels sein muss.

Unbedingt einen Stopp wert für jeden, der hier vorbei kommt. Wahrlich ein sehenswerter und irgendwie surrealer Ort!  Er liegt mitten im Nichts, mitten im 2.000 m tiefen Ozean. Denn rundherum fällt das Meer wieder steil ab. Wir segeln tatsächlich noch über mehr als 2.000 m Wassertiefe, als wir das Riff schon in fast greifbarer Nähe wähnen. Erst kurz vor der Einfahrt steigt der Meeresgrund extrem schnell und steil an. Schon alleine der Blick auf den Tiefenmesser ist bei der Annäherung ein Erlebnis! Selbst wenige Meter vor der Einfahrt noch kein Anzeige weil über 200m tief – dann springt der Tiefenmesser schlagartig auf 150, eine halbe Sekunde später zeigt er nur noch 20. Obwohl wir uns extrem langsam nähern.

Wir fahren ganz hinein. Innerhalb des Atoll-Rings ist das Wasser glasklar. Man sieht jeden Felsbrocken, jeden Korallenkopf – obwohl es idR etwa mindestens 7m Tiefe hat. Wir gehen bis kurz vors Ostende des Atoll-Rings und legen uns dort über einer Sandbank vor Anker. Lassen die Drohne steigen, um ein paar Bilder zu schießen.

Das Wrack an der NordOstseite des Riffs

Hogsty Reef Nordseite im östlichen Teil & INVIA. Das Wrack habe ich dummerweise nicht mehr mit drauf genommen. Es läge ein Stück weiter vom unteren linken Bildrand entfernt.

Hier ein schöner kurzer VideoClip eines Drohnenrundflugs über Riff, Wrack & INVIA. Ok – ich gebe zu an meinen Video-Künsten kann ich noch arbeiten – und Videos schneiden mag ich gar nicht. Aber ich finde in aller Bescheidenheit: Dieses Video ist gelungen & sehenswert!

Für einen Übernachtstopp ist es uns mitten im Atoll bei Flut etwas zu rollig. Wir gehen daher zurück zur Einfahrt auf die Westseite und legen uns neben den kleinen Sandfleck mit Leuchtturm. Nicht wirklich ruhig dort, aber jetzt auch nicht ungemütlich. Das Wasser ist unglaublich blautürkis und klar. Zwei weitere Segelschiffe ankern über Nacht. Eines davon ist die Pacific High, die wir im letzten Jahr in den USVI gesehen hatten. Dieses Mal reicht es für ein persönliches Kennenlernen. Immer wieder treffen wir auf Schiffe, deren Namen uns von den AIS-Signalen aus der letzten Saison bekannt sind und es ist schön, wenn man dann auch mal Gelegenheit zum persönlichen Austausch hat.

Anders als wir aus der Ferne meinten ist die kleine Sandinsel am Riff wohl nicht mit einem ehemaligen Leuchtturm bebaut. Eher scheint es ein gemauerter Marker zu sein, der nur bei Tageslicht erkennbar ist. Hier mitten im Nirgendwo auf einem kleinen ungeschützten Sandcay wäre ein Leuchttumwärter auch wirklich bedauernswert gewesen. Bei der Inselerkundung am nächsten Morgen sehen wir eine Wasserzisterne, die mit dem Turm verbunden ist.

Der kleine Sandfleck an der Einfahrt ins Atoll
Hogsty Reef Westseite

Und auch hierzu wieder ein kleiner Video-Clip:

Wir malen uns aus, dass sich hier Fischer für mehrtägige Fangstopps einen Wasservorrat angelegt hatten. Was davon stimmt können wir auch mit Googles Hilfe nicht feststellen. Unsere beiden Sailing Guids schweigen sich komplett aus. Umgeben ist die kleine Insel wie auch das Riff von Wrackteilen. Hogsty Reef hat ganz offensichtlich eine Reihe Opfer gefordert von der Seeschifffahrt.

 

Im Laufe des Tages bilden sich schöne Wolkenformationen
Die am Abend sieht zwar bedrohlich aus, doch hat sich daraus nichts entwickelt

Seekarten

Noch ein Wort zu den Seekarten. Diese sind immer mit Vorsicht zu genießen. Nein, das liegt NICHT am bösen, ungenauen, gefährlichem GPS – wie es jungen Kadetten in der Segler-Ausbildung des DSV von manchem altem Seebären so gerne eingebläut wird! Es liegt schlichtweg am, Kartenmaterial.

Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses Material auf Papier oder in elektronischer Form vorliegt. Manche Daten scheinen noch auf Vermessungen zu Zeiten Magellans zu basieren.

So hatte ich an einigen Stellen auf der Windwardseite der nun doch recht viel besegelten Insel Antigua in der Navionics Karte Tiefen von 20m vermerkt. Um dann vor Ort festzustellen, dass ich höchstens noch 1m unterm Kiel hatte – danach kam harter, mind. zigtausende Jahre alter Fels!  Und nicht etwa eine sich temporär aufgebaute Sandbank. Ein Monohull wäre dort auf Grund gelaufen. Cmap von Jeppesen ist aber auch nicht besser – ganz im Gegentei: Da passt noch weniger.

In den Bahamas ist es nicht viel anders. Ralf von der SY Flora wies mich darauf hin, dass die Rasterkarten in den Bahamas deutlich mehr der Realität entsprechen. Damit scheint er Recht zu haben, soweit ich das jetzt nach den paar Tagen hier sagen kann:

Hier unser Track ins Hogsty Reef laut CMAP. Demzufolge wäre INVIA über Grund gefahren. Und an der angeblichen Flachstelle mit 1,9m Tiefe habe ich mehr als 6m gelotet.
Hier dasselbe mit Navionics als Grundlage. Die Tiefenangaben Karte stimmen nicht – allerdings hier „umgekehrt“ als in Antigua: Ich habe erheblich größere Tiefen gelotet.
Die Rasterkarte passte. Hier unser gesamter Track durchs Atoll.

Bildergalerie:

2 Antworten auf „Hogsty Reef“

  1. Ja, bei diesen Bedingungen war es auch für uns noch etwas ruppig, aber doch ganz gut auszuhalten für eine Nacht. Und das Gefühl, bei rundherum kilometertiefem Blauwasser tagsüber über leuchtendem Türkis zu schweben und nachts im klaren Wasser selbst bei Halbmond die Seesterne auf dem Grund erkennen zu können …
    Wir waren wieder begeistert vom Hogsty Reef. Schade, dass wir uns dort um ein paar Tage verpasst haben. Aber hoffentlich klappt’s bei Ragged Island wieder.
    Ralf

    1. Es ist definitiv ein Traum- und Sehnsuchtsort! Und die Vorstellung, dass ausserhalb des Riffs das Meer so schnell wieder so tief wird, finde ich einfach unvorstellbar!

      Wenn ich es richtig sehe, seid ihr im Anschluss ebenfalls zur Castle Island. Wir überlegen morgen vielleicht in die French Wells zu gehen. Aber mal sehen was meine Ankerwinde macht. Die muss ich heute noch mal auseinander nehmen. Hoffe sehr wir können nach Ragged und dass wir uns dort treffen!

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