Weit oben in Saba

Unsere Begeisterung für die kleinen Inseln abseits der gängigen Routen hält an. Saba, dieser gebirgige schwer zugängliche Klotz, hat es uns besonders angetan. Wir können unserem Törn Führer nur zustimmen: Saba ist speziell und wenn man es mal geschafft hat hinzukommen, wird man seinen Besuch dort nie vergessen.

 

 

Saba aus der Ferne

Bis Anfang 1940 war Saba nahezu unzugänglich. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und fällt zu allen Seiten steil ins Meer. Ursprünglich wurde die Insel von Piraten besiedelt, die hier ein hervorragendes Versteck fanden. Sie hatten 800 Stufen an der Westküste aus dem Felsen geschlagen, um überhaupt Güter vom Meer an Land schaffen zu können.

The Ladder

Wir picken eine Boje auf direkt vor „the ladder“ in der Ladder Bay. Premium Blick auf dieses Meisterwerk an Treppe. Wir erleben das Meer am Ufer unterhalb der Stufen sehr schwellig. Wer damals in dieser anwellenden See am Ufer brusthoch im Wasser stand, um überhaupt Dinge vom Schiff an Land verbringen zu können, musste hart gesotten sein.

Wells und Ladder Bay. Nur die gelben Bojen nehmen, die weißen und rotorangen sind für die Taucher.

Diamond Rock Wells Bay

Auch als Segler muss man den Komfortwunsch ablegen, um die Insel zu besuchen. Offenbar steht Strom in die einzigen Buchten der Westküste, in denen Bojen gesetzt sind, Wells Bay und Ladder Bay. In der Folge rumste unsere Boje immer wieder an den Rumpf. Anderen Seglern ging es ebenso. Schlaflos in Saba.

Dazu kommt, dass man von den Bojen aus fast 2 Seemeilen per Dinghy an die Südküste unterwegs ist zum kleinen Hafen in der Fort Bay. Den Wellenbrecher für den Hafen gibt es erst seit 1972. Dort sind Customs und Immigration. Man kommt in jedem Fall nass an. Denn die Dinghy Tour führt um das Kliff Tent Point. Wind- und Wellen Wechsel. Wer vorher noch nicht nass war, wird es auf der zweiten Hälfte des Weges.

Tent Point
Fort Bay mit Hafen
Hafenamt mit customs und Immigration
Wenn das Versorgungsschiff da, war, gibt es im Hafen viel Arbeit

Als wir im Hafen ankommen, sind die Büros zu. Die Officer sind abwechselnd am Hafen und am Flughafen und gerade an letzterem. Ab 17.30 Uhr sollen sie zurück im Hafen sein. Hmm, dann wird es ja schon bald dunkel sein… Also pünktlich vorsprechen um noch bei Tageslicht an den Bojen Platz zurück zu kehren.

Wir verabreden mit 2 kanadischen Paaren, die ebenfalls auf die Behörden warten, gemeinsam ein Taxi zum nächsten Ort Bottom zu nehmen. Ein lustiger Name für einen Ort, der wie alle anderen auf Saba weit oben liegt. Der Ursprung des Namens liegt im holländischen und stammt ab vom Wort für „Schüssel“ entsprechend der Geländeform um den Ort. Die untere Hälfte der Insel ist unbesiedelt, weil karger Fels. Nur der kleine Hafen und ein Marmorsteinbruch liegen dort. Die wenigen Orte und einzelne Häuser liegen oben in den Hängen. Denn diese halten die Regenwolken und sorgen für fruchtbares Grün über der kargen unteren Inselhälfte.

Ich frage den Fahrer eines gelben Minibusses, der gerade im Hafen hält und eine Reihe Kinder aussteigen lässt. Er ist bereit, uns 6 Segler mit in den Ort hoch zu nehmen. Erst beim Einsteigen stelle ich fest, dass ich den Schulbusfahrer angequatscht hatte. Er hatte gerade Schulkinder zum Schnorcheln runter gefahren. Typisch für die sehr netten Leute auf Saba: Er nimmt uns nicht nur mit rauf, sondern hält später auf der Abwärtsfahrt sofort, als er uns runter zurück zum Hafen laufen sieht. Einmal Schulbus und zurück.

Die Ortschaften auf Saba haben Puppenhauscharakter. Erst seit 1958 über Straßen zugänglich haben die weit oben am Hang gelegenen Orte besonderen Charme. Die Bewohner hatten schon früher versucht, ihre Orte über Straßen zu erschließen. Ein holländischer Fachmann wurde geholt. Sein Urteil : Straßenbau auf dieser Insel unmöglich, zu steil. Daraufhin belegte ein Einheimischer einen Fernkurs im Straßenbau und siehe da: 1958 hatten die Einwohner Sabas in Eigenleistung die erste Straße fertig gestellt.

Strasse vom Hafen zum Hauptort „The Bottom“ mit 22 Grad (entspricht 40%!) Gefälle. Selbst in der Schweiz findet man sehr selten so eine Steigung

Ähnlich lief es mit dem Flughafen. Von holländischen Ingenieuren als unmöglich angesehen wurde sein Bau von Einheimischen umgesetzt. Sie riefen einen wagemutigen Piloten der benachbarten Insel St Barth und baten, er möge sich das Gelände auf Saba ansehen. Beim Überfliegen meinte der, eine Vulkanzunge sei wohl geeignet. Die Einheimischen räumten sämtliche Steine weg, füllten Löcher und schufen eine ebene Piste. Heute muss sich Starten und Landen dort wie das auf einem Flugzeugträger anfühlen.

Unser Taxifahrer für die Wandertour am 2.Tag ist Garvis, 67 Jahre alt und auf der Insel geboren.

Garvis mit Taxi
Garvis, eine Quelle an Informationen

Er berichtet über die derzeitige politische Ausrichtung der Insel : Man möchte sich gepflegtem Tourismus öffnen, keinen Massentourismus haben. Für die Segler möchte man eine kleine Marina bauen. Große Kreuzfahrtschiffe und Massen an Besuchern will man nicht.

Eines der vielen netten Häuser in „The Bottom“

Ein Grundstück mit Haus in „The Bottom“

Der Aufstieg zum höchsten Berg der Niederlande führt durch eine wunderschöne Landschaft

Kurz vor dem Gipfel zweigen diverse Pfade zu unterschiedlichen Aussichtspunkten ab. Leider ist alles wolkenverhangen.
Immer wieder herrliche Aussichten

Auf dem höchsten Berg der Niederlande
Auf dem höchsten Berg der Niederlande

Wir sind begeistert von den netten Begegnungen auf Saba, die wir hier gar nicht alle schildern können. Und von den wunderschönen kleinen Orten und den zahlreichen Wandermöglichkeiten. Die Wege sind sehr gut gepflegt und gern hätten wir nicht nur den höchsten Berg der Niederlande bestiegen. Und gerne mehr der hervorragenden Restaurants auf der Insel getestet. Doch wegen der wenig komfortablen Situation an der Boje gehen wir noch am Nachmittag des 2. Tages nach dem Wandern Anker auf und weiter nach Sint Maarten an einen ruhigen Liegeplatz. In uns bleibt das Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.

Ein Nachtrag zu unseren Blogs zuvor: Invia ist Kakerlakenfrei! Jedenfalls soweit wir das seither überblicken. Ganz offensichtlich waren es keine Kakerlaken, die uns in Barbuda überfallen hatten. Die Käferei war zu Ende, sobald wir den Ankerplatz vor Codrington verlassen hatten.

Eine Antwort auf „Weit oben in Saba“

  1. Wunderbar, dass es geklappt hat mit dem Besuch und ihr so herrliche Erlebnisse mitnimmt. Man muss einfach immer selbst hin und sich ein eigenes Bild machen. Grandios, so tolle Wanderungen und urwüchsige Eindrücke erleben zu können. Bei uns wirds vorderhand nichts mit einem Besuch auf Saba, die Beibootreparatur hat Vorrang. Wer weiss, ob es danach doch noch passt. Und nicht zu vergessen, herzlichen Glückwunsch zur Ungezieferfreiheit!!

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