Nationalpark St John

Die US Virgin Islands schließen sich südwestlich an die British Virgin Islands an. Gesehen haben wir von den USVI bisher St Thomas mit den nordöstlich vorgelagerten Hans Lollik Islands und St John. Zwei Drittel von St John sind Nationalpark. Ankern ist dort zum Schutz der Unterwasserwelt verboten, stattdessen hat die US Nationalpark-Verwaltung Bojen installiert. Traumhafte türkisblaue Buchten reihen sich aneinander.

 

Wir hatten beim Eintritt in das US Inselgebiet umfangreiche Behördenprozedere erwartet. Schließlich darf man hier – wie auch sonst ins US Territorium – nur mit Visum einreisen. Benötigt wird ein B2-Visum für die Einreise mit dem eigenen Schiff, das online erhältliche ESTA reicht nicht. Es heißt, wer das B2-Visum nicht bereits vor Reiseantritt im Heimatland besorgt habe, könne das bei der US Botschaft in Bridgetown Barbados oder in Port of Spain Trinidad nachholen. Zum Glück hatten wir uns das Visum vor Reiseantritt besorgt. Inzwischen trennen uns doch schon viele Seemeilen von Barbados, wo wir Anfang letzten Jahres zum ersten Mal von Bord der Invia auf karibischen Boden traten.

Wir klarieren in der Cruz Bay St John ein.

Cruz Bay

Und wir werden dort überrascht. Der Papierwust ist überschaubar und das Klarieren ist gratis. Gut, Fingerabdrücke werden elektronisch genommen und gespeichert genauso wie ein im Office gemachtes Foto. Deshalb müssen zum Einklarieren auch alle von Bord antreten, nicht nur der Skipper. Abgesehen davon ist das Prozedere im Vergleich zu dem in manch anderen Karibikgebieten zügig vorbei. Und Ausklarieren ist gar nicht nötig, wenn man von den US Virgins zurück in die BVI gehen möchte. Was sehr bequem ist – man geht einfach los und klariert erst in den BVI wieder ein.

Aufpassen muss man beim Wechsel zurück in die BVI nur mit der dortigen Höchstaufenthaltsdauer von 30 Tagen. Sowohl in Tortola Road Town als auch in Virgin Gorda Spanish Town bestätigte man uns, dass die 30 Tage mit der Ausreise in die USVI unterbrochen werden und dann bei erneuter Einreise in die BVIs weiter laufen. Anders der Officer in West End Tortola, der die 30 Tage mit der Ausreise als verbraucht ansehen und uns zunächst nicht wieder einklarieren wollte.

Aber zurück zu St John: Im Besucherzentrum in der Cruz Bay bekommen wir Infomaterial zum Nationalpark (Diese liegt aber auch an jeder Mooring fee pay station aus). Eine Übersichtskarte zeigt die wenigen Buchten, in denen man ankern darf. Die meisten Buchten haben Bojen des Nationalparks, dort ist Ankern verboten. Die Karte sollte man sich in jedem Fall vor dem Buchtenbummeln besorgen. Ein anderer Plan zeigt die zahlreichen Trails, die zum Teil auch von den Buchten aus losgehen. Viel Infos zum Wegeverlauf gibt es darin nicht. Dafür sind die Wege aber vor Ort ausgeschildert.

Wegweiser

Zum Einklarieren und Verproviantieren darf man vor dem Hafen der Cruz Bay seitlich des Einfahrtskanals bis zu 3h ankern. Der Platz ist beschränkt und sehr flach (1,4 – 2,8m Wassertiefe), reichte aber bei unseren mehrfachen Aufenthalten. Nur wenig Kette stecken, damit auch andere noch Platz finden und der Schwojekreis limitiert ist – dann passen auch 2 Monohulls und 3 Kats rein. Mit INVIA lagen wir meist im Flachbereich und hatten noch 40cm Wasser unter den Kielen, was der captain mechanisch mit Bootshaken und elektronisch per Handsonar überprüfte. Alternativ kann man an Bojen nördlich des Ortes liegen. Die sind allerdings wegen des vielen Fähr- und Motorbootverkehrs nicht unbedingt ruhig.

Einkaufen geht in der Cruz Bay gut zu Fuß. Vom Dinghy Dock aus in den Dolphin Market. Ein Dinghy Dock gibt es vor dem Besucherzentrum, ein anderes vor den Restaurants im Hafen südlich vom Fährdock. Müllentsorgung ist schwierig und nicht erlaubt in den Müllkübeln im kleinen Park beim Dinghy Dock. Es gibt Mülltonnen in der Nähe der Schule, doch dafür trägt man seinen Müll ein ganzes Stück durch die Straßen. Wir haben Glück. Auf die Frage an einen Einheimischen, wohin wir den Müll bringen sollen, zeigt er auf den Kofferraum seines Autos. Das ist uns an anderer Stelle nochmals passiert. Hilfsbereitschaft ist groß im Ami-Land.

Klischees erfüllen sich für uns, wenn wir amerikanische Touristen im Meer nahe am Strand im Wasser stehen sehen, plauschend und in der Hand einen Thermobecher. Darin eine Dose oder jedenfalls ein eisgekühltes Getränk. Oder gleich liegend in einer Floating Bar wie im Coral Harbour an der Ostküste von St John.

Floating Bar
Floating Bar

Vermissen tun wir die kleinen Strandrestaurants und Bars aus der südlichen Karibik. Während dort an jedem etwas mehr besuchten Strand ein Einheimischer mit einfachen Mitteln sein Business aufmacht, hat man das hier im wesentlich entwickelteren Gebiet wohl nicht nötig. Oder vielleicht ist es im Nationalpark auch nicht erlaubt. Der amerikanische Tourist begegnet dem mit Kühlboxen, die gut gefüllt mit Eiswürfeln, Getränken und Vorräten an den Strand geschafft werden. Dort gibt es oft Pickniktische und Bänke sowie Grills, ein Toilettenhäuschen und Müllkübel.

Besonders gefallen uns die Hawksnest Bay und der Spaziergang hoch zur Ruine der Mühle einer Zuckerrohrplanrage, sowie weiter zum Nachbarstrand. Sogar rehähnliche Tiere schauen uns auf der Wiese beim Mühlenturm an. Das Schnorcheln am Riff vor dem rechts gelegenen der beiden Strände in der Bucht ist schön. In der Bucht gibt es keine Zahlstelle für die Boje. Man müsste zum Zahlen per Dinghy in eine Nachbarbucht. Kontrolliert hat dort niemand.

Hawksnest Bay
Ruine Mühle
Rehähnliche Tiere
Offenbar an Menschen gewöhnt
Nachbarstrände und – buchten

Der extra ausgewiesene Schnorchelpfad in der Trunk Bay hingegen hat mehr Touristen als Unterwassersehenswürdigkeiten. Allerdings ist bei unserem Besuch auch das Wasser recht aufgewühlt und sieht man vielleicht bei ruhigem Wetter mehr.

In der Maho Bay gibt es vor einem langen Sandstrand etliche Bojen. Und hinter dem Strand kleine Shops bzw Getränkeverkauf. Dementsprechend natürlich auch tagsüber viele Touristen, aber abends und am frühen Morgen ist es schön dort.

St John Maho Bay

Coral Harbour beschreibt unser Führer als rustikalen Seglertreffpunkt. Tatsächlich liegen dort neben etlichen Cruisern auch ramschige, fast angewachsene Boote und hurrikangeschädigte Schiffe, wie man die sonst nirgends in den USVI sieht. Der Charme der Mangrovenbucht mit trübem Wasser, Floating Bar und der von Touristen überschwemmten Skinny Legs Bar springt auf uns bei unserem ersten Besuch am frühen Nachmittag nicht über. Allerdings hat die Bar einen großen Vorteil, nämlich schnelles WiFi. Angesichts schlechter Netzabdeckung in den südlichen Buchten von St John ein Plus für Coral Harbour.

Coral Harbour

Als wir ein 2. Mal zum Einkaufen in den Coral Harbour kommen und vom Dinghy Steg aus bis in die gegenüberliegende Buchthälfte laufen, gefällt es uns deutlich besser. Hier hat es etliche Restaurants und Bars. Und die Skinny Legs Bar direkt am Dinghy Steg ist abends mit Livemusik auch viel netter (nur bis 20 Uhr geöffnet).

Der Parkplatz vor der Bar zeigt das gleiche Bild, das man auch sonst auf St John sieht: Fast ausschließlich Jeeps. Die Autoverleiher kennen offenbar nur eine Marke. Gut, es hat zum Teil steile Straßen. Aber die gibt es auch anderswo ohne diese Monokultur an Kfz.

Skinny Legs Bar
Jeep, Jeep, Jeep
Steile Straßen bei Coral Harbour

Gewöhnungsbedürftig sind die amerikanischen Lebensmittel und die Preise in den Virgins. Joghurt gibt es zumeist non-fat, also 0% Fettgehalt. Kosten für einen großen Becher zwischen 4 und 7 Dollar. Daneben stehen riesige Töpfe Sour Cream im Kühlregal. Die darf dann Fett haben. Die Milch hat Zusätze wie Vitamin D und Omega 3. Eine halbe Gallon, das sind 1,89 l, kosten im Dolphin Markt in der Coral Bay teils über 10 Dollar. Die Milch hat dann alle möglichen gesunden Attribute. Beim Mehl nehme ich künftig kein self-rising flour mehr. Das ist nämlich mit Salz und Backpulver versetzt, offenbar speziell für Pancakes. Verwendet von Unkundigen wie mir für Brotteig nach Normalrezept ergibt es ein total versalzenes, trockenes Brot. In kleiner Menge zum Teig zugesetzt allerdings wird es lecker & lockeres….

Nach unserem 1. Einkauf im örtlichen  Market von Coral Harbour verlegen wir uns in die Salt Pond Bay. Die 5 Bojen (laut Plan sollten es 6 sein) sind sehr begehrt, stellen wir fest. Es ist aber auch wirklich schön hier. Um unsere Boje wächst Seegras und so kreisen Schildkröten um die Invia auf der Suche nach Futter. Wir können sie im türkisen glasklaren Wasser am Boden grasen sehen.

Schildkröte bei Invia
Schildkröte

Beim Schnorcheln begegnen uns Schildkröten in verschiedenen Größen und Stachelrochen. Hinter dem Strand liegt ein rotbrauner Salzsee. Von denen gibt es mehrere an der Südküste von St John.

Daran vorbei geht mit herrlichen Aussichten ein Weg hoch auf den Ram Head, ein Kap. Dort wachsen am Hang Kakteen in Massen wie bei uns Bergblumen. Eine sehr andere Vegetation hier als in der südlichen Karibik.

Kakteenwiese am Berg

Auf dem Ram Head

Aufwärts geht es zum Ram Head

Kakteen in Baumgröße sehen wir  beim Wandern in der Lameshur Bay. Die beiden Lameshur Buchten sind gute Ausweichlösungen, wenn in der Salt Pond Bay alle Bojen belegt sind.

Blick auf die beiden Lameshur Bays
Lameshur Bay
Lameshur Bay
Kakteenbäume

Auch hier herrlich klares türkises Wasser, darüber hinaus aber noch eine Seltenheit: Ein Dinghy Steg  in der großen Lameshur Bucht erlaubt komfortables Anlanden für etliche Wanderungen. Müllkübel und Picknikarea mit Grill gibt es am Strand der kleineren der beiden Buchten. Sie hat die schöneren Schnorchelplätze.

Die Wanderwege von der Lameshur Bay sind teils eingewachsen mit scharfkantigen Gräsern und dornigem Gestrüpp. Moskitos ärgern. Proviant gibt es nirgends zu kaufen. Was so wenig einladend klingt ist doch toll. Die Wege gewähren Einblicke in die Zeiten des Zuckerrohranbaus, von denen heute Ruinen der Plantagen zeugen. Heiß muss die Arbeit gewesen sein, wir schwitzen sehr beim Laufen. Der Petroglyph Trail führt zu Steinbildern der Ureinwohner, der Taino.

Eingewachsener Reef Trail

Zuckerrohrplantage an der Lameshur Bay
Ruine Zuckerrohrplantage
Petroglyhen

Zwischen St John und St Thomas liegt man schön an Bojen in der Christmas Cove Great St James Island. Die Bojen sind privat installiert und werden wohl nicht mehr gewartet, es kassiert aber auch niemand. Ankern zwischen den Bojen ist erlaubt. Der Pizza Pi verkauft von seiner Yacht aus Pizzen. Sehr leckerer Boden, aber der amerikanische Käse vermag uns immer noch nicht zu überzeugen. Für 30 Dollar gibt es einen Pizzakarton, dessen Inhalt für 2 reicht.

St Thomas ist viel bebauter als St John und gefällt uns deutlich weniger. Schön finden wir die Gegend um die beiden Hans Lollik Inseln im Nordosten von St Thomas. Leider nicht ruhig genug zum Übernachten bei unserem Besuch.

Hans Lollik
Hans Lollik

Wir ankern westlich davon in Magens Bay vor einem langen Sandstrand. Er gilt als der schönste von St Thomas und ist dementsprechend gut besucht. Das reicht dann auch für den Betrieb eines Strandbistros mit Bar. Cruiser sind kaum da bei unserem Besuch. Allerdings hat es in der Bucht auch nicht das schöne klare Wasser wie an vielen anderen Liegeplätzen.

Magens Bay
Pelikane gibt es viele in St John und St Thomas. In Magens Bay stürzen sie zwischen den Badenden ins Wasser. Der Captain bekam einen gehörigen Schrecken!

Bildergalerie St John & St Thomas:

2 Antworten auf „Nationalpark St John“

    1. Hi Kelly and Chris, nice to have you so close by! We will enjoy nice St John probably till Monday next week. We plan staying in Tortola Nanny Cay Marina from Monday on for a few days. Then cruising BVIs again, St Croix, Culebra, Puerto Rico. If you slow down a bit, we will be happy meeting you again somewhere on the way.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.