Antigua, die Dritte

Nachdem wir die Kakerlake erfolgreich ins Jenseits befördert haben*, beobachteten wir in der Anse Colombier (St Barth) vor Anker liegend die weitere Entwicklung der Windvorhersage. Die blieb konstant dabei: Freitags mau mit max 10kn, Samstags auf Ost-Nord-Ost drehend mit 15kn (knapp 30 km/h) und im Tagesverlauf zunehmend auf 25kn.

Falls wir wirklich nach Antigua zurück gehen, will ich die 25kn vermeiden, weil wir gegenan müssen. Für die Nichtsegler: Käme der Wind raumschots bzw. schräg von hinten – wäre auch bei 30 und 35kn (rund 60 km/h) ein schönes Segeln möglich. Aber Antigua liegt Östlicher, der Wind käme daher mehr von vorne.

Die angesagten 15kn für Samstag morgen hingegen klingen richtig gut. Die vorhergesagte Windrichtung hat auch eine schöne Nordkomponente – genau das was wir brauchen, um ohne aufzukreuzen nach Antigua zu kommen.


*liebe Tierfreunde: Es ging wirklich nicht anders! Ich hab es versucht. Aber das liebe Tierchen hat sich mit allem so fest gekrallt, nichts half: Sie wollte nicht wegfliegen. Und die capitania war nicht bereit dem Tierchen Asyl zu gewähren. Das einzige Mittel, das mir blieb, war: Insektenspray aufs Segel zu sprühen.


Wir beschliessen, den Wecker zu stellen und vor Morgengrauen Anker auf zu gehen. So sollten wir zum einen das 80 nm (rund 145 km) entfernte Antigua vor 15:00 erreichen. Können also noch einklarieren. Und zum anderen wären wir da, bevor die Windstärke unangenehme Höhen erreicht. Ferner: Da Donnerstags und Freitags der Wind recht zahm war, sollte sich der starke Schwell aus der kürzlich beendeten Starkwindphase abgebaut haben. Für alle Nichtsegler zur Erinnerung: Es ist nicht wirklich der Wind, der das Segeln unangenehm macht. Es ist immer die Welle, die ein Schiff schaukeln und tanzen lässt.

Als jeder fest stellt, dass der andere gegen 01:30 morgens eh grade wach ist – machen wir uns parat Anker auf zu gehen anstatt sich nochmals im Bett umzudrehen und auf den Wecker zu warten.

Die Windstrategie geht perfekt auf. Fast die gesamte Strecke hindurch geht es im 1. Reff bei 8,5 – 9,5kn Fahrt gen Antigua. Ich gehe die ersten 10nm (also rund 18 km) hart an den Wind um keine Höhe gegen Osten zu verschenken, aber schon bald kann ich weiter abfallen.

Auch die Welle hält sich in Grenzen. Dennoch haben wir beide etwas zu kämpfen, die Seebeine sind nach immerhin 1 Monat Segelpause doch noch etwas kurz geraten. Dazu die Nacht und bei mir der fehlende Schlaf, da ich auch die 2 Nächte davor irgendwie nicht zur Ruhe kam. Mir hilft es, ein paar Mandeln und kandierten Ingwer zu kauen, dann ist es gut. Und wirkliche Seekrankheit kann ich mir als Skipper und Rudergänger eh nicht leisten. Etwa 22 nm (ca. 40 km) vor Antigua dreht der Wind mehr auf Ost und nimmt langsam zu. Wir ziehen das 2. Reff ein und wettern im Ölzeug eine Reihe von Squalls (tropische Regengüsse mit böigen Winddrehungen) ab.

Bereits kurz vor Mittag fällt der Anker in der Mosquito Bay von Jolly Harbour. 100m neben der VAIREA, einer 40er Lagoon von Martina & Daniel aus der Schweiz.

Unser Nachbarlieger VAIREA in der Mosquito Bay von Jolly Harbour

Sehr schön, die beiden hier wieder zu treffen! Wir verfolgen schon länger gegenseitig unsere BLOG-Berichte und haben uns in Martinique kurz persönlich getroffen. Sie mussten dort ihr Schiff von einem Profi wegen Termitenbefall behandeln lassen, während wir uns recht zügig zu den nördlicheren Inseln aufmachten.

Ein kurzer Ausflug an Land während einer (kurzen) Regenpause

11 Antworten auf „Antigua, die Dritte“

    1. Hast du schon mal eine mindestens 5 cm große Kakerlake in deinem Zuhause gehabt, die munter deine Lebensmittel vertilgt? Nein, da kenne ich keine Gnade, bin da egoistisch.

        1. These winless days must be perfect for SABA and St Eustatia. Hope you enjoy it! We are still in Antigua, planning to visit Barbuda once the wind picks up again

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